Musik | Hörtest

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Mogwai – As The Love Continues

1. April 2021
von Moritz Morsch

Alles wie immer? Zum Glück!

Mogwai ist eine dieser Bands, die einen nie enttäuschen. Die letzten neun Album waren allesamt von einer Qualität, die in Postrock-Kreisen ihres gleichen sucht. Egal ob das atmosphärische Take Me Somewhere Nice aus dem dritten Album Rock Action oder das großartige How To Be A Werewolf aus Platte Nummer sieben – Hardcore Will Never Die, But You Will – die neun bisher erschienenen Alben sind auf einem durchweg hohen Niveau, so dass man sich fragen muss, ob Mogwai dieses noch halten kann. Die Antwort: Auf As The Love Continues – ihrem aktuellen, zehnten Album – gelingt es. Aber nach über einem viertel Jahrhundert in der Welt des Postrock muss man sich doch die Frage stellen, wo die Reise noch hingehen soll.

Doch was ist zu erwarten? Wer Mogwai (oder Postrock im Allgemeinen) kennt, ahnt es schon: Überwiegend instrumentale, längere Lieder, in welchen sich ruhige, melancholische mit schnellen, rockigen Passagen abwechseln. Der Gesang tritt dabei in den Hintergrund, auch auf diesem Album. Ritchie Sacramento, ein sehr gelungener Song und offensichtliche Singleauskopplung, hat als einziger der elf Titel einen klassischen Vocal-Part und fällt damit fast schon als störend auf, da er den natürlichen Fluss des Albums sehr abrupt unterbricht. Viel besser lässt sich die gesamte Stimmung des Album schon anhand des Openers To The Bin My Friend, Tonight We Vacate Earth klar. Minimalistische Instrumentalpassage bauen sich hier zu einem epischen Stück Musik auf. Ein Schema das sich wiederholen soll – und das ist auch gut so!

Dry Fantasy bildet einen ersten Höhepunkt. Synthesizer bilden hier die Grundlage für einen sehr ruhigen, aber wunderschönen Track, der – wie das gesamte Album – sowohl als Hintergrund zu Uniarbeiten als auch zum sich in der Musik verlieren funktioniert.

In der zweiten Hälfte des Albums gibt es auch viele Titel, die das konstant hohe Niveau des Albums nochmals überbieten. Ceiling Granny und Pat Stains gehören zu absoluten Highlights, die sich auch problemlos mit den Top-Titeln in Mogwais Diskografie messen können.

Das Mogwai eine Vorliebe für skurrile Songtitel hat, wird auf dem Album mal wieder deutlich. Der Closer It’s What I Want To Do, Mum setzt dem ganzen jedoch die Krone auf. Wer jedoch meint, dass sich dahinter ein Witz versteckt, liegt aber falsch. Vielmehr ist der Song als eine Hommage an über 25 Jahre Postrock aus dem Hause Mogwai zu sehen und bietet eine auf knapp siebeneinhalb Minuten komprimierten Überblick über alle Elemente, die Mogwai hauptsächlich in ihrer Musik genutzt haben.

Sollte man sich das Album deswegen anhören? Auf jeden Fall. Und auch aus rein musikalischem Interesse ist es sehr zu empfehlen, Mogwai schafft es nämlich immer noch, Postrock erster Güte zu kreieren und dabei immer neue Maßstäbe zu setzen.