Musik | Hörtest

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Linn Koch-Emmery – Being The Girl

31. Mai 2021
von Moritz Morsch

Wann ist Indiemusik eigentlich Indie? Streng genommen, sobald sie auf einem Indielabel veröffentlicht wurde. Aber zu Zeiten, wo viele der ehemaligen Indielabel längst Umsätze in Millionenhöhe machen und zu etablierten Größen der Industrie zu zählen sind, macht diese Unterscheidung nur noch wenig Sinn. Was dann? Den Charm von Indie-Rock machte lange aus, dass Künstler:innen unter dem Radar blieben und deren Werke mit wenigen Mitteln produziert wurden. So etwas ist leider zunehmend verloren gegangen. Umso mehr kann man sich darum freuen, wenn man eine Künstlerin findet, die diesen Charm noch versprüht. Linn Koch-Emmery mit ihrem Debütalbum Being the Girl ist so eine Künstlerin.

Doch was ist zu erwarten? Nach dem kurzen Opener (teething) folgt mit Hologram Love gleich der erste Paukenschlag. Klar, die leise-laut-leise-Struktur des Songs war schön zu Nirvana-Zeiten nichts Neues, aber trotzdem macht das Lied viel Spaß und die Hook bleibt im Ohr. Das kann übrigens zu der großen Mehrheit der Tracks gesagt werden.

Linn Koch-Emmery versteht sich darauf, eingängige Songs zu schreiben. Das wird auch bei Titeln wie Dirty Words und Blow my Mind klar. Vom Songwriting her bedienen sie alle ähnliche Mittel: Ruhige Strophen wechseln sich mit einprägsamen Refrains ab. Das ganze wird untermalt von crunchigen Gitarren, Drums, Bass und spartanischen Synth Pads, die sich im Chorus allesamt zu einer über einen hinwegbrechen Wall of Sound steigern.

Dafür, dass das Album nicht zu monoton wird, sorgen dann aber Songs wie das melancholische Linn RIP oder auch das sanfte Wake Up, welche beide merklich Fahrt aus dem Album herausnehmen ohne dabei unpassend oder langweilig zu klingen.

Die Songauswahl stimmt also. Lediglich die Interlude (The Globe in Morning Lane, June 4th) wirkt, ähnlich dem Opener, überflüssig und scheint nur eine Daseinsberichtigung zu haben, um dem Album mehr Titel zu geben. Ansonsten würde nämlich – und das ist das große Problem des Albums – schnell der Eindruck entstehen, es handele sich um eine EP. Die Spielzeit liegt nämlich weit unter einer halben Stunde. Sehr schade. Zwei, drei Songs mehr hätten dem Album nicht geschadet. Ganz im Gegenteil, den Spaß macht Being the Girl von Linn Koch-Emmery nämlich auf jeden Fall. Und zwar nicht nur Indierock-Fans.

Bild: Linn Koch-Emmery / Boys Tears