Musik | Hörtest

Hörtests des Jahres -Woche 4

17. Dezember 2018
von Musikredaktion

Ufo361 – 808

Ufo361 war mir auch vor 2018 durchaus ein Begriff. Irgendein hektisch rumfuchtelnder Boom bap-Rapper, der mit seiner Berliner Posse ein paar Tapes aufgenommen hat. Nix für mich. Umso geschockter war ich, als die Bassline von Beverly Hills mich das erste Mal gnadenlos in die Knie gedrückt hat. Aus Boom bap wurde Trap, aus Streetvideos wurden hochwertig produzierte Musikvideos mit Kino-Ästhetik, aus Eastpack-Rucksack wurde Balenciaga-Sweater. 808 besticht mit herrlich arroganter Attitüde, untermauert mit einem Mix aus Autotune und wummernden Beats – und ich bin drauf kleben geblieben.

Robert Frambach

 

View – Leave A Comment

Es ist eine Platte wie der finnische Winter: düster, atmosphärisch, unterkühlt. Und mit dem Mix aus düsterem Trap, glitschigen Vocals und futuristischem Hiphop ist Leave A Comment, das Debüt des Rappers View aus Helsinki, außerdem vollkommen am Zahn der Zeit. Die Tracks inklusive der großartigen Features aus der finnischen Hiphop- und Elektropopszene (Ronya, Biniyam, Tuomo, Sini Yasemin, Venior, Kasmir) drehen sich um Themen, die im Hiphop nicht unbedingt zum Standardrepertoire gehören: Depression, Selbstzweifel, Drogenmissbrauch, Erfolgsdruck, Rücksichtslosigkeit, Verlassenwerden. In Kombination mit Views charakteristischem Flow und der Produktion von Joonas Laaksoharju geht das direkt unter die Haut und in die Magengrube, ohne dabei auch nur einen Hauch an Catchiness zu verlieren. Und gleichzeitig machen sperrige Songs wie Bad Habits oder Trippin‘ Sober und der eindrückliche Bass in Do It Again gemeinsam mit dem poppigen Burn Slow oder Deeper (Bitch Leave A Comment) eine beachtliche musikalische Bandbreite auf. Das lange Warten auf Musik von View auf Albumlänge hat sich wirklich mehr als gelohnt.

Benedict Weskott

 

Earl Sweatshirt – Some Rap Songs

Nach mehr als 3 Jahren meldet sich der 24-jährige Earl Sweatshirt mit Some Rap Songs zurück und bietet dabei wieder einmal sehr viel mehr als nur ein paar Rap Songs. Earls Alben strotzten nur so von reduzierter Komplexität und Ideenreichtum – Some Rap Songs macht auch dabei keine Ausnahme. Klingt erstmal paradox, doch nach mehrmaligem Durchhören versteht man es: viel Jazz, clever eingebaute Samples und simple Schlagzeuge verbinden sich mit seiner immer leicht neben dem Beat fließenden Stimme zu wahren Kunstwerken. Irgendwo zwischen Lo-Fi und einer gewissen Avantgard, lässt sich Earl ungern in Schubladen stecken. Kaffee in die Hand, Kopfhörer auf und an kalten Wintertagen komplett in ein paar Songs eintauchen.

René Kettermann

 

Yuno – Moodie

Als ich Yunos EP Moodie zum ersten Mal hörte, war es um mich geschehen. Der aus Florida stammende Künstler produzierte die ganze Platte alleine und man merkt, wie viel Herzblut in dieser EP steckt. Selbst das Cover und jegliche Artworks gestaltet er selbst. Der Klang seiner Musik kam mir von Anfang an irgendwie vertraut vor, nichtsdestotrotz birgt sein Sound etwas ganz individuelles. Der 27-Jährige verbindet groovig, rhytmische Klänge, die man sowohl im R‘n‘B Bereich, als auch im Pop verordnen kann, mit einem inhaltlich weitreichenden Spektrum. Von Akzeptanz bis zur Wut beschreibt Yuno in seinen Songs die verschiedensten Aspekte, der Vibe der EP bleibt jedoch entspannt und lädt zum Dauerhören ein, was ich diesen Sommer auch fleißig getan habe.

Florian Plath

 

Lady Gaga & Bradley Cooper – A Star Is Born Soundtrack

Um ehrlich zu sein befasst sich dieser Hörtest des Jahres nur mit einem halben Album, denn der A Star Is Born Soundtrack von Lady Gaga & Bradley Cooper befindet sich natürlich in einer Symbiose mit seinem cineastischen Pendant und umfasst daher auch diverse Dialoge, die ich hier mal außen vor lasse. Das würde ich am liebsten auch mit einigen Songs (Heal Me und Why did you do that?, der genau die richtige Frage stellt) machen, aber sie gehören zu diesem musikalischen Weg, auf dem man beim Hören der Songs nur so durch die verschiedenen Genres schreitet, einfach dazu. Von Bradley Coopers rockigen Country-Einleitungen (Black Eyes, Alibi) über Lady Gagas umwerfendes Cover von La Vie En Rose zur überwältigenden Ballade Always Remenber Us This Way, dem lässigen Look What I Found bis hin zum unnötigen Elektropop-Höhepunkt Hair Body Face, der wie aus den Charts gefallen klingt. Für mich ist es ebendiese besondere Anthologie, die begleitende Frage wie authentisch oder kommerziell ein*e Musiker*in sein kann oder werden muss, aber vor allem das (stimmlich) magische Duo aus Lady Gaga und Bradley Cooper, gipfelnd im ikonischen Herzstück Shallow, das den A-Star-Is-Born-Soundtrack zu einem unvergesslichen Album des Jahres macht.

Carolin Landreh