Musik | Hörtest

Dagobert - Welt Ohne Zeit
Dagobert - Welt Ohne Zeit

Dagobert – Welt Ohne Zeit

11. März 2019
von Carolin Landreh

Keine Ahnung wie es passieren konnte, doch ich habe keine Band oder Künstler*in häufiger live spielen hören als Dagobert. Fünf Mal bisher und das ist ja erst einmal nichts besonderes, aber Dagobert ist kein hipper Rapper oder Indie Musiker, sondern Elektroschlagersänger. 

Der “Schnulzensänger aus den Bergen” hat nicht nur eine wahrhaft spannende Biografie, sondern auch seit seinen ersten Auftritten vor fünf Jahren einen musikalischen Wandel auf der Bühne durchlaufen. Dagobert singt längst nicht mehr zu Elektro-Playback, sondern zur Livemusik einer fünfköpfigen Band.

Einer Sache hingegen ist er auch auf seinem mittlerweile dritten Album Welt Ohne Zeit unerbittlich treu geblieben: der Liebe. Ob romantisch, sehnsüchtig, lustig, skurril oder unverständlich. Dagobert hat es geschafft die Liebe und ihren Kummer musikalisch und textlich ganz und gar unvergleichlich einzufangen. 

Leider ist der schräge Teil, also die Songs, bei denen ich noch immer schmunzeln muss auf Welt Ohne Zeit etwas zu kurz gekommen. Dafür tauchen unerwartet orientalische Klänge in Anna auf und bei Flashback wird man geradezu zurück in die 80er Jahre geschubst. 

Von diesen kleinen Exkursen abgesehen ist Welt Ohne Zeit ruhiger und weniger aufmüpfig als seine Vorgänger. Etwas wehmütig und gesetzter schwebt Dagoberts Stimme nun, nur vom Keyboard getragen in Uns gehört die Vergangenheit. Flieg mit mir lädt schnulzig träumerisch zum Schunkeln ein, gehört aber keinesfalls zu den Höhepunkten des Albums. 

Diese liegen in Dagoberts altbekannten Stärken, einer ausdrucksvollen Stimme und lyrischen Textzeilen wie in Du und Ich: „Wenn zwei wie wir nicht zueinander finden, muss irgendwer die Welt neu erfinden.“ Vor allem aber in den Stücken Einsam und In all unseren Leben, mit seinen ins Endlose gehenden Synthesizern und leisen Drums.

Richtig einfangen lässt sich Dagobert auf einem eingespielten Studioalbum aber nicht. Ist er doch viel mehr ein Gesamtkunstwerk, das man erst so richtig versteht, wenn er dann live auf der Bühne steht und man erkennt, dass etwas, bei dem man sich zuerst gefragt hat, ob dahinter ein Scherz steckt, so ernst und aufrichtig gemeint sein kann.