Leben

Alissa Fuhler
Alissa Fuhler

Meine komischste Angewohnheit

24. Februar 2021
von Alissa Fuhler

Ich gebe es zu: Ich habe ein besonderes Faible für eine meiner Kleiderschrank-Schubladen. Naja, also für ihren Inhalt. Auch am heutigen Morgen stiehlt sich ein freudiges Lächeln auf meine Lippen, wenn ich sie öffne und in meinem Kopf ertönen Engelschöre! Da sind sie: der Graus eines Jeden, wenn man sie zu Weihnachten oder zum Geburtstag bekommt. Dieses Nebenwerk beim Shoppen gehen… oft vorn an der Kasse bloß noch schnell in die Tasche geworfen. Aber nicht für mich. Für mich sind sie mein Schatz, meine Leidenschaft, mein allerliebstes Geschenk, das wirklich immer geht! – Meine geliebten SOCKEN!

Ein verträumtes Seufzen entweicht mir. Da sind sie, alles was man sich nur wünschen kann. Egal welche Farbe, Form, Muster oder Material. Für jeden Anlass ist etwas dabei. Stolz betrachte ich meine Kollektion. Da haben wir die Sneaker-Socken: Perfekt für wärmere Tage und wenn man mal etwas Knöchel zeigen möchte. Hier dann die langen Socken für die kalte Saison – auch wunderbar geeignet, um sie über das Hosenbein zu ziehen. Warm und gleichzeitig perfekt in Szene gesetzt. Alle sortiert nach Farbe, Länge, Muster, Größe.
Dann gibt es natürlich welche mit großem Statement-Motiv, sei es Pizza, Snoopy oder auch was Einfaches wie ein Herz oder eine Blume. Wer es etwas wilder mag, der kann natürlich auch Socken mit einem rundum Motiv wählen, meine Favoriten im Moment: Avocado- und Ananas-Muster. Liebevoll streiche ich über die einzelnen Socken. Aber auch Tiermotive, Sprüche oder einfach schlicht, aber farbig hätte ich im Angebot. Alles was des Sockenliebhabers Herz höher schlagen lässt!

Aber mit der Auswahl der richtigen Socken ist es noch lange nicht getan: Jetzt kommt der wirklich schwierige Teil… noch ein prüfender Blick aus dem Fenster – auf jeden Fall Wetter für Sneaker. Aber welche? Ich schaue über die feinsäuberlich aufgereihten Einzelsocken. Es gibt nur extrem seltene Ausnahmesituationen, in denen ich mal zwei gleiche Socken trage. Mit einem belustigten Glucksen denke ich an die fassungslosen Gesichter und entsetzt aufgerissenen Augen meiner Freunde, wenn ein solcher Fall dann doch mal eintritt…
Aber zurück zum Wesentlichen. Wegen des zwar tristen, aber doch frühlingshaft warmen Wetters entscheide ich mich nach akribischer Überlegung für eine hellblaue Socke mit Bienenmuster, als Hommage an den Frühling. Und um das Ganze noch zu toppen und ein bisschen mehr Sonne in meinen Alltag zu bringen, wann immer ich einen Blick auf sie erhasche, ist die andere Socke in einem satten Pink gehalten. Mit ihrem ausgeklügelten Spruch „Beach please“ (jeder Buchstabe des Wortes „Beach“ in einer anderen knalligen Sommerfarbe), verweist sie außerdem darauf, dass nach dem Frühling der Sommer bereits ungeduldig und voller Vorfreude herbeigesehnt und erwartet wird.

Zufrieden betrachte ich mein farbenfrohes und gehaltvolles Werk. Mit einem wohligen Lächeln um die Lippen schaue ich auf mein Handy und zucke erschrocken zusammen. Eine halbe Stunde hat das wieder gedauert?! Ich komme noch zu spät! Also springe ich förmlich in meine knöchelhohen Doc Martens, schnappe mir Jacke, Tasche und Maske und stürme zur Bahn.

Bereit für einen langen Tag unterwegs, an dem niemand mein Kunstwerk betrachten können wird.