Musik | Konzerte

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Kraftklub live in Düsseldorf

17. März 2026
von Moritz Morsch

Kraftklub ist eine dieser Bands, die ich immer respektiert habe, aber mich letztendlich nicht so tief auseinandergesetzt habe, wie ich es eigentlich sollte. Gründe gibt es dafür bestimmt viele, der wichtigste dürfte aber wahrscheinlich mein Alter sein; so war meine deutschsprachige Punk-aber-irgendwie-auch-nicht-Band mit klar linker Positionierung und gerne ironischen Texten immer Die Ärzte.

Trotzdem: Insgeheim war ich lange schon gespannt auf Kraftklub und warum dann nicht die Chance ergreifen, wenn die fünf Chemnitzer in der Region sind? Also auf nach Düsseldorf. Dort angekommen fällt direkt auf: Inzwischen ist Kraftklub eine wirklich riesige Band geworden. Die Arena ist restlos ausverkauft, vorm Einlass eine riesige Schlange von 15.000 geduldig wartenden Fans. Die Location ist, passend zum Cover ihres aktuellen Albums Sterben in Karl-Marx-Stadt in rotem Licht getaucht.

Nach dem obligatorischen Stopp am Merch-Stand begebe ich mich zu meinem Platz. Was mich wohl erwartet, frage ich mich. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich etwas late to the party bin; erst das vorletzte Album – Kargo – hat es mir richtig angetan und dafür gesorgt, dass ich mich (endlich!) auch mit deren anderen Alben beschäftigt habe.

Auf meinem Platz angekommen, lass ich erst einmal die Atmosphäre auf mich wirken. Zu viel Zeit hab ich dabei nicht, für die Vorband – Lovehead – ist schon alles vorbereitet, und nach kurzem Warten legen die drei Österreicherinnen auch schon los. Ihr Set ist dabei aus einigen ruhigen, aber vor allem energetischeren, nach vorne gehenden Songs. Das Publikum geht dabei schon zu dem Zeitpunkt begeistert mit. Lovehead kommt gut an, auch bei mir. Die Band ist viel mehr, als nur ein Gruß aus der Küche, wie es bei vielen anderen Support-Acts auf Konzerten doch leider häufig der Fall ist – man kann also gespannt bleiben, was da in Zukunft noch kommt.

Bild: Moritz Morsch / CT das radio

 

Nach einer kurzen Pause kommen dann aber auch schon Kraftklub auf die Bühne. In großen, roten Lettern prangt der vom Albumcover übernommene Neonschriftzug „STERBEN IN KARL-MARX-STADT“, davor die Band, ganz in weiß, die durch die ersten – neueren – Songs ihrer Diskographie führt. Schon beim Opener Marlboro Mann ist die Stimmung ausgelassen, spätestens beim Kraftklub-Klassiker Ich will nicht nach Berlin ist aber wirklich so gar kein Halten mehr.

Und so bleibt sie auch; bis zum Ende der Show öffnen sich immer wieder Pits, fast die ganze Zeit springt das Publikum auf dem Boden herum als hätte er – um es mit den Worten einer mit Kraftklub befreundeten Berliner Hip-Hop-Formation zu sagen – deren Mutter beleidigt, aber auch in den ruhigen Momenten sind alle voll da. So auch während Kein Liebeslied: Die Band hat zu dem Zeitpunkt ihre Bühne verlassen und sich mitten im Publikum aufgebaut, um umringt von ihren Fans ein paar Songs zum besten geben zu können.

Bild: Moritz Morsch / CT das radio

 

Diese Fan-Interaktionen sind es, die das Konzert für mich zu etwas ganz besonderem machen. Allzu oft ist es bei Konzerten so, das mit steigender Größe der Halle nicht nur die physische sondern auch die gefühlte Distanz zwischen Artists und Fans steigt. Doch Kraftklub schaffen es an diesem Abend immer wieder, diese Distanz zu überwinden. Mal tauchen sie, wie beim Deep Dive 500 K plötzlich in den Rängen auf, mal holen sie einen Fan auf die Bühne um ihr die Wahl des nächsten Songs zu überlassen und mal suchen sie eben den Kontakt indem sie Mitsing-Lieder wie Schief in jedem Chor zwischen ihren Fans miterleben zu dürfen.

Bild: Elena Preussner / CT das radio

 

Aber auch der Support, den andere Acts an diesem Abend von der Band erfahren, ist erwähnenswert und intensiver, als ich es von Konzerten dieser Größe kenne. Gut, das Blond, die familiär mit zwei der Kraftklub-Mitglieder verbandelt sind, ihren gemeinsamen Song So schön performen, ist naheliegend. Was mich jedoch besonders berührt hat, ist, dass die Vorband Lovehead im Konzertverlauf nochmal auf die Bühne gebeten werden um mit Kraftklub gemeinsam den Icona Pop-Hit I Love It zu covern.

Insgesamt ist es ein überwältigender Auftritt der Band, nicht nur für mich, sondern auch für die Band selbst. Immer wieder kommt es vor, dass sie innehalten müssen um die Eindrücke auf sich wirken zu lassen, sei es, weil das Publikum bei Songs wie Schief in jedem Chor oder Kippenautomat einfach nicht aufhören will zu singen (Kippenautomat wird deswegen von der Band sogar spontan ein zweites Mal gespielt) oder weil sie selbst von der Kulisse beeindruckt sind. Man hat das Gefühl, dass der Abend auch für die Band was besonderes ist und nicht nur ein weiterer Zwischenstopp auf ihrer Tour.

Was bleibt von dem Abend? Ich, der mich vorher „nur“ als Sympathisant der Band bezeichnet hätte, verlasse die Location als Fan der Band mit dem K. Wie denn auch nicht nach einem solchen Erlebnis.

Bild: Moritz Morsch / CT das radio

 

Solltet ihr auch Lust auf Kraftklub haben? Sie kommen zurück nach NRW, am 3.7. sind sie Open Air im SparkassenPark in Mönchengladbach.

 

Bilder: Moritz Morsch / Elena Preussner / CT das radio