Musik | Interview

Eaves_Wilder_Pressefoto_2_Credit_Dora_Paphides (1)
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Interview mit Eaves Wilder

3. Juni 2026
von Philip Smukala

George Harrison trifft auf modernen Shoegaze. Eaves Wilder, die mit Einflüssen aus den 60ern und 90ern aufgewachsen ist, bringt eines der spannendsten Debütalben des Jahres raus.

Am 17. April 2026 hat Eaves Wilder ihr Debütalbum Little Miss Sunshine veröffentlicht. Auf der Musikplattform Bandcamp hat ihr Album die Tags alternative, dreampop, indie, shoegaze und London – der Ort, an dem das Album entstanden ist. Die ersten Arrangements für das Album hat Eaves Wilder selbst in einer Scheune in ihrem Garten produziert. Sie hat mir erzählt, dass keiner ihrer Songs weniger als 200 Spuren hat. So ist ihr opulenter, maximalistischer Sound entstanden, der, wie sie selbst sagt, von Musikern wie Phil Spector und George Harrisson inspiriert ist. Bei dem Albumtitel Little Miss Sunshine dachte ich zuerst, der sei total ironisch gemeint. Im Interview hat Eaves mir dann aber erzählt, dass der Titel doch ein Quäntchen Wahrheit enthält.

There’s some truth to it. I definetely get seasonal depression, I’m really – weather dependent is what I call it. But it also is ironic because I was really moody all the time. I went fully insane during it. The album is called Little Miss Sunshine. I really run on sunshine, like I really need daylight and the studio we were working in was so dark and so damp and I was really sick for the whole time. I had massive sinusitis so I was having to wash out my sinuses before every vocal take. It was intense. I never worked so intensely for so long in my life but it was so rewarding.

Der Produktionsprozess des Albums war für Eaves nicht nur körperlich herausfordernd, weil ihr Körper nicht mit dem dunklen Studio klargekommen ist. Mental ist sie ebenfalls durch schwierige Phasen gegangen. Sie war eigentlich schon bereit, mit der Musik aufzugeben, hat angefangen als Nanny zu arbeiten, kaum neue Musik gehört und ihre Liebe zur Natur gefunden. Zum Glück hat es aber doch geklappt und in Zusammenarbeit mit Produzent Andy Savours, der schon mit den Arctic Monkeys und The Killers gearbeitet hat, ist ein (wie ich finde) beeindruckendes Debütalbum entstanden. Musikalisch und auch thematisch am interessantesten auf diesem Album war für mich der Song Summer Rolls.

It’s like a proper ending song. It’s meant to be like the ending of your childhood. I wrote it after being really obsessed with this TikTok trend, that was happening a couple of years ago, where people would film liminal spaces and backrooms. And they’d always choose it to be childhood spaces. It would be like soft play areas and abandoned playgrounds and it really hit a nerve with me. I was like – that’s what puberty feels like! That’s what it feels like when you hit puberty too early and you feel like this quite monstrous overgrown thing in these spaces that used to be yours and it kind of feels like you’re haunting them.

Nicht nur in ihrer Nebentätigkeit als Nanny, auch in ihrer Musik drückt Eaves immer wieder ihre Wertschätzung für Kinder aus. In einigen Songs auf ihrem Album geht es um die Adoleszenz, das Verlassen der Kindheit und den Schmerz, seine Jugendlichkeit hinter sich zu lassen. Besonders unangenehme Momente, wie das Zurückkehren an Orte, an denen man irgendwann nicht mehr dazugehört finden dabei Anerkennung. Auf einem anderen Song, Just Say No!, werden Aussagen missbräuchlicher Männer wiedergegeben und in eine wütende feministische Hymne verpackt. Mich hat der Song dadurch sofort an Olivia Rodrigos wütendere Lieder wie traitor oder good 4 u erinnert, musste dann aber doch feststellen, dass ihr Stil sich stark unterscheidet.

That is true, I’m a big fan of her. At the time of writing the album I was having writers block and my sister kept saying really annoying stuff like „Just write a song like Olivia Rodrigo!“ and I was like „I would if I could but I can’t do that at the moment!“. She definitely is inspiring – I feel like me and her do similar things. Her maybe is a bit more poppy sometimes. But I feel like we both do quite similar things, where we both clearly have quite old references and we try and mix them with the new and make them palatable for people more our age.

Mit Eaves Art, ihre älteren musikalischen Einflüsse in das Album einfließen zu lassen, hat sie, wie ich finde, gut den Zeitgeist getroffen. Bei ihrem rockigen Stil kann ich mir auch vorstellen, dass er Live noch eindrücklicher wirken könnte. Leider sind in näherer Zukunft aber keine Auftritte in Deutschland geplant. Im Sommer spielt sie auf einigen Festivals im Vereinigten Königreich, wobei ihr persönliches Highlight das Green Man Festival in Wales ist.

 

Bild: Dora Paphides