Musik | Hörtest

YoungFathers
YoungFathers

Young Fathers – Cocoa Sugar

11. März 2018
von René Kettermann

Seitdem die aus Edinburgh stammenden Young Fathers im Jahr 2014 den in Großbritannien heiß begehrten Mercury Preis für ihr Debüt Dead gewonnen haben und im Anschluss mit ihren Idolen Massive Attack auf Tour gehen durften, ist einige Zeit vergangen. Auf der Insel gehörten Young Fathers schnell zum festen Bestandteil der Musikszene und konnten mit ihrem Album White Men Are Black Men Too aus 2015 einen beachtlichen Teil zum Trainspotting 2 Soundtrack beitragen. Seitdem ist es eher ruhig um die drei Jungs aus dem schönen Schottland geworden, denn so viel Zeit hatten sich Young Fathers bis heute noch nie für ein Projekt gelassen. Mit In My View ließen sie im Januar dann die Katze aus dem Sack und präsentierten den Termin für Cocoa Sugar.

Das Album startet mit See How solide, findet aber mit dem schon angesprochenen In My View durch treibende Drums so richtig in die Spur und wird nach knapp 30 Minunten erst wieder zum Stillstand kommen. Durch Lord findet man sich in einer Worship-ähnlichen Situation wieder – Klavier und raumfüllend-verzerrte Gitarren bilden die Grundlage für einen gewaltigen Chor aus Gesang und elektronisch-dreckigen Bassdrops, welcher am Ende wieder beim ruhigen Klavier angelangt.

Wow knüpft mit hallig-geschichteten Stimmen an die verzerrten Sounds an und lädt mit provokant betonten Worten zum Schmunzeln ein: „What a time to be alive“ wäre vor Jahren noch ein passender T-Shirt-Spruch gewesen, heutzutage passt dieser Satz zynisch verpackt eher auf Plakate vor diversen Regierungssitzen. Songs wie Border Girl treiben mit Synthies und energischen Beats unweigerlich auf die Tanzfläche und erinnern, wie Toy, durch ihre fein gezupften Sounds und rollenden Stimmen zwischenzeitlich an Indie Bands wie Bloc Party.

Rasselnde Snares rütteln mit Picking You die Gedanken am Ende noch einmal frei, denn hier steht nun wieder der Text im Mittelpunkt: „Mama said the good men are strange, the bad men are obvious/You’ll never find your way to heaven“. Zusammen mit Cocoa Sugar findet man aber zumindest sicher den Weg auf Wolke 7 – denn das Album ist durch seine vielen Einflüsse und die eigenwillige Mixtur aus Hip-Hop, Trip-Hop, Soul, Indie und Elektro zwar nur schwer in eine Schublade zu packen, doch genau das ist der Grund für seine intensiv fesselnde Wirkung.