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Warum die Suche nach einer neuen WG so nervig ist

16. August 2018
von Lennart Rettler

Achtung: Der Autor dieses Textes befindet sich gerade mitten in einer Phase des WG-Suchens. Er ist daher schwer von der Situation beeinträchtigt. Es kann dazu kommen, dass der folgende Text absurde, überspitzte oder fragwürdige Beispiele enthält.

 

Eigentlich stellt man es sich so einfach vor: Man verbringt 20, ja vielleicht 30 Minuten auf einem Internet-Portal und anschließend wird man die besten Freunde fürs Leben in der schönsten Wohnung der ganzen Stadt gefunden haben. Aber so einfach ist das leider nicht. Nein, es ist eigentlich ganz anders. Die WG-Suche ist nämlich die reinste Qual.

Alle Inserate sind gleich

Es fängt schon damit an, dass irgendwie kein Text so wirklich im Kopf bleibt. Immer wieder verwenden die Nutzer die gleichen Phrasen: „Wenn du auf der Suche nach einer Zweck-WG bist, dann bist du hier falsch!“ „Wenn die Tür zu ist, ist die Tür zu.“

Oder sie zählen alle Aktivitäten auf, die sie in 2 Jahren bisher vielleicht einmal zusammen gemacht haben und tun so, als seien das alles regelmäßige Beschäftigungen. „Wir kochen auch gerne mal zusammen, spielen Spiele oder machen einfach ganz entspannte Filmabende.“

Das Schönreden

Am schlimmsten ist es, wenn die Nutzer die offensichtlich schlechten Aspekte ihrer Wohnung als gar nicht so schlimm verkaufen wollen. Im Text zum Inserat mit dem Titel „Ruhiges Zimmer“ steht dann beispielsweise: „Ja, wir wohnen zwar mitten auf einem Militärgelände, aber du kannst auch einfach mal im Sommer mit offenen Fenstern schlafen!“ Auch die Größe des Zimmers wird gerne einmal schön geredet. „Ja, das Zimmer hat zwar nur 5qm und zwei Schrägen, aber wenn du das Bett und den Schreibtisch nebeneinander stellst, können gleichzeitig zwei Personen fast aufrecht in dem Zimmer stehen. Der ehemalige Mitbewohner hat seine Klamotten einfach immer im Keller gelagert“.
Fehlende Ausstattung ist eigentlich auch nie ein Problem: „Wir haben zwar keine Spülmaschine und unser Wasserhahn funktioniert auch nicht, aber in 5 km Entfernung liegt ein Bach gelegen, bei dem du eigentlich ganz entspannt das Geschirr säubern kannst“.

Die Überraschungen

Dann denkst du irgendwann, du hättest endlich ein gutes Inserat gefunden. Die Lage ist ok, die Wohnung sieht top aus und auch die Beschreibung der Mitbewohner wirkt irgendwie sympathisch. Du malst dir schon aus, wie ihr gemeinsam am Küchentisch sitzt, schreibst in Gedanken schon die Gästeliste für deine erste WG-Party und suchst nebenbei schon nach einem Supermarkt in der Nähe der Wohnung. Doch dann hast du die Rechnung ohne Die Überraschung gemacht. Die Überraschung zerstört unerwartet deine ganzen Hoffnungen und führt dazu, dass du deinen Tab schneller schließt, als wenn du in deinem Elternhaus einen Porno schaust und es auf einmal klopft.
Du bist z.B. nicht im gesuchten Alter oder hast nicht das gesuchte Geschlecht.
Eine andere klassische Überraschung ist die Abstandszahlung. „Ja, wir haben vor 34 Jahren mal einen neuen Mülleimer gekauft und unser ehemaliger Mitbewohner hätte dafür gerne einen Betrag von 164€ von dir. Wir haben das sogar ausgerechnet.“
Ein wahrer Inserat-Killer ist auch der letzte Satz vor der Verabschiedung. Heimlich wird dir noch ein letzter Fakt vermittelt, den du leicht überlesen kannst. Dafür kannst du dann beim WG-Casting auf keinen Fall anmerken: „Das stand aber ja so gar nicht im Inserat.“ – „Achja, unser Mitbewohner Philipp hat in seinem Zimmer übrigens ein Tonstudio für Metalcore Bands. Du musst also so 5-6 mal die Woche mit etwas mehr Lautstärke rechnen.“

Die Nachrichten

Hast du dann tatsächlich ein Inserat gefunden, das dir perfekt zusagt, das erfrischend anders ist, bei dem nichts schön geredet wird und das auch keine Überraschungen aufweist, kommt die wirklich große Hürde. Denn dann musst du eine Nachricht schreiben. Du musst dir Mühe geben, deinen ganzen Charakter innerhalb kürzester Zeilen nieder zu schreiben. Wollen sie meine Hobbys wissen? Sollte ich erwähnen, dass ich immer noch gerne Spongebob gucke?

Doch egal, wie viel Mühe du dir gegeben hast. Selbst wenn oder gerade weil du deine ganze Biographie beschrieben hast, wirst du keine Antwort bekommen. Nichts. Keine Absage, keine Zusage; In vielen Fällen kommt einfach Nichts. Und du fragst dich: Bin ich das Problem? Habe ich doofe Hobbys? Bin ich scheiße? Und in all deiner Verzweiflung wirst du feststellen, dass es kein Wunder ist, dass das Internetportal, auf dem du seit mehreren Tagen aktiv bist, WG-Gesucht und nicht WG-Gefunden heißt.