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unknown mortal orchestra
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Unknown Mortal Orchestra – Sex & Food

23. April 2018
von Pierre Rosinsky

Unknown Mortal Orchestra haben sich bisher einer bestimmten Spielart des Psychedelic Rock verschrieben, mit Anleihen aus Funk und Lo-Fi-Bedroom-Pop. Das hatte soundtechnisch schon immer eine gewisse Lässigkeit und reihte sich nahtlos neben Genre-Vertretern wie z.B. Toro y Moi und Mild High Club ein. Für das nunmehr vierte Album reiste Frontmann Ruban Nielson quer durch die ganze Welt: Hanoi, Seoul und Reykjavik hießen unter anderem die Stationen, in denen der Longplayer aufgenommen wurde.

Sex & Food ist dabei rausgekommen und ersterer Begriff beschreibt schon den Anspruch, den Unknown Mortal Orchestra verfolgen: smooth und sexy soll es sein, eine Soundästhetik zwischen lauem Sommerabend und feuchtwarmer Lounge. Aufgebrochen wird das durch Songs wie Major League Chemicals oder American Guilt, die weitaus dynamischer daherkommen und fast schon Elemente des Noise-Rock beinhalten. Hier werden Mut und Experimentierfreude belohnt, eine Beobachtung, die nicht für das ganze Album gelten kann.

Denn allzu oft tauchen Songs auf, die dem Potenzial der Band nicht gerecht werden. The Internet of Love (That Way) dudelt vor sich hin und ist mit knapp fünf Minuten einfach zu lang. Und Not In Love We’re Just High ist in etwa so smooth wie eine Käsereibe. Auto-Tune ist ein Stilmittel, das sensibler Handhabung bedarf; in diesem Song wirkt es nicht nur aufgesetzt, sondern verstärkt diesen Eindruck noch durch den stakkato-mäßigen Gesang Nielsons.

Wie es besser funktioniert zeigt Hunnybee, ein Song, der in allen Bereichen zu überragen weiß. Text, Melodie und Songstruktur bilden eine perfekte Symbiose und zeigen, wozu die Neuseeländer imstande sind, wenn sie im Songwriting nicht abschweifen. Everyone Acts Crazy Now gefällt mit zuckendem E-Piano im Refrain, während das kurze, akustische Stück Chronos Feasts On His Children eine gelungene Abwechslung in der Trackliste darstellt.

Nichtsdestotrotz wird deutlich: Unknown Mortal Orchestra spielen hier ein wenig unter ihrem Level. Sex & Food ist qualitativ gesehen eine gemischte Tüte. Wenn die Band ihre Stärken ausspielt, bietet sie vor allem für die warmen Jahreszeiten den passenden Soundtrack an. Wenn sie allerdings versucht, Songs künstlich in die Länge zu ziehen, wirkt die Musik fast schon belanglos bis nett. Passend als Hintergrundmusik für die nächste Fahrstuhlfahrt. Dass das nicht der Anspruch der Band sein dürfte, sollte allerdings klar sein.