Musik | Hörtest

smerz_havefun
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Smerz – Have fun

18. März 2018
von Carolin Landreh

Wenn man die Geräusche eines Techno-Clubs mit denen einer Werkstatt mixt, klingt das nach einer wilden Mischung oder nach der neuen EP Have Fun des dänischen Duos Smerz. Kommen nach einem bedrohlichen Intro die Stimmen von Catharina Stoltenberg und Henriette Motzfeldt hinzu, klingt das Ganze nach experimentellem Elektropop mit außerirdischer Atmosphäre.

Nachdem Smerz im vergangenen Sommer ihre erste EP Okey veröffentlicht haben, hat sich ihre Musik durchaus verändert. Okey war weniger sperrig, leiser und irgendwie netter und emotionaler. Was sich auch dem Bandnamen angenähert hat. Denn der Name Smerz kommt tatsächlich vom Wort Schmerz und ist insgesamt angelehnt an den Ausdruck Herzschmerz.

Mit Have Fun entsteht nun ein düsteres Werk, bei dem raue Beats im Vordergrund stehen, die sich anhören, als würden sie sich schon bald ihren Weg aus den Lautsprechern hämmern. Übersteuerte Bässe stehen dabei zwar im Kontrast zu den sanften Stimmen der beiden Sängerinnen, doch dieser Sprechgesang ist teilweise so mühelos, beinahe gelangweilt dahin gelallt, wie im Song Have Fun, dass die Stimmung kaum gebrochen wird.

Textlich haben sich Smerz wohl am meisten für Wiederholungen begeistern können. Scheint zwar erst einmal etwas platt, passt dann aber doch ziemlich gut, wie in Half Life oder Have Fun, wenn in diesem die Zeilen „Have fun“ und bei jenem „So go and party“ durch ihre Häufigkeit die Kraft haben, den indoktrinierten Hedonismus in der Gesellschaft an den Pranger zu stellen. Half Life hat dabei eine Unruhe in sich, die nicht gerade dazu einlädt, den Song in Dauerschleife laufen zu lassen.

Dafür hat Oh My My unbedingt das Potenzial im Ohr zu bleiben, ebenso wie No Harm, das sich stöhnend einen Weg zu einem der Favoriten des Albums bahnt. Etwas gezähmter und versöhnlicher endet das Album mit dem Lied Bail On Me. Insgesamt ist Have Fun mit seinen 25 Minuten eine sehr kurzweilige, stimmige, wenn auch wenig erheiternde Angelegenheit, die teilweise (Worth It) an die Berliner Performance-Band Easter erinnert. Smerz haben einen unaufgeregt klingenden, aber aufwühlenden Elektrosound, der am Anfang wüst klingt, seinen Charme jedoch auch bei wiederholtem Hören behält.