Unterhaltung | Netzwelt

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schülerVZ – Ich bin kein Beitrag, ich putze hier nur.

7. July 2017
von Lennart Rettler

Wie schön war eigentlich die Zeit bei schülerVZ und studiVZ? Eine Nachricht hat sich wirklich noch wie Post angefühlt, wenn der lilafarbene Bote auf der Startseite erschien. Der Beitritt erfolgte nur über Einladung und so musste man auch nicht die Kommentare oder Glückwunsche von irgendwelchen Verwandten befürchten. Der Newsfeed war der Buschfunk, der Messenger der Plauderkasten und das Anstupsen hieß Gruscheln.

Leider mussten sich schülerVZ und studiVZ der Allmacht von Facebook unterordnen und sind nun in den Weiten des World Wide Web verschwunden. Für mich war diese Plattformen essenziell für die Ausbildung meiner Identität. Ich definierte meine eigene Coolness über die Anzahl der „Kommis“, der „Pinnis“ und natürlich über meine Gruppenmitgliedschaften. Auch wenn sie eigentlich keinen Mehrwert hatten und vermutlich kaum einer von uns in den Gruppen diskutiert hat, konnte man sich über die Gruppen ganz einfach selbstdarstellen. Sie waren das, was heute mein Instagram-Profil ist. Meine Hobbys, meine Außendarstellung, mein Persönlichkeitswunsch. Jedoch war es deutlich einfacher, coole und lustige Gruppen zu finden, als ständig sein Essen zu fotografieren, das perfekte Selfie zu machen oder sein Outfit of the Day zu präsentieren. Ich studierte einfach die Gruppen der coolen und beliebten Mitschüler und klaute mir die Besten. Ich entwarf Konzepte, trat nur Gruppen bei, die zu einander passten oder löschte alle, außer einer, um einzigartig zu wirken. Ich konnte meine pubertäre Rebellion einfach durch meine Gruppenmitgliedschaften ausleben.

Besonders eine hat mein Verhältnis zu den schülerVZ-Gruppen ausgedrückt: „Wenn ich mir meine Gruppen so angucke, finde ich mich echt sympathisch.“
Es gab jedoch eine Menge Gruppen, in denen ich stolzes Mitglied war und sicherlich bin ich da nicht der Einzige:

  • Wer das liest, MUSS in diese Gruppe
  • Ich bin keine Gruppe, ich putze hier nur.
  • „Hast du alles?“ fragte sie. Er nahm seinen Döner in die Hand und sagte: „Jetzt schon!“
  • Guck mal wie der guckt! Aber guck nicht, der guckt grad!
  • Ich drehe mein Kissen um, um auf der kalten Seite zu liegen.
  • Guck mal, Kacktusse! – Das heißt Kakteen! – Nee, ich mein’ dich.
  • Beziehungsstatus: ich geh mit meiner Laterne
  • ich ziehe an Türen, auf denen dick und fett DRÜCKEN steht.
  • bitte nicht schubsen, ich hab Joghurt im Rucksack!
  • Abschreiben bei Arbeiten?? Wir nennen das Teamwork!
  • ich habe mich umgesehen! – wir sind die geilsten hier!
  • ich hab mich auch umgesehen. seid ihr nicht!
  • während du redest korrigiere ich in Gedanken deine Grammatik
  • Mein Name ist Hans, das L steht für Gefahr
  • Wahre Freunde sitzen im Knast neben dir und sagen: Geile Aktion, alta!
  • komm auf die dunkle seite. wir haben kekse.
  • willkommen auf der dunklen seite. das mit den keksen war gelogen
  • Freunde sind wie Kartoffeln, wenn du sie isst, sterben sie
  • Du bist nicht fett und jetzt nimm dir 2 Stühle und setz dich zu uns!
  • Es lief alles nach Plan, nur der Plan war scheiße!
  • 791 v.Chr. – der beste Jahrgang überhaupt
  • Tausche 10m WLAN Kabel gegen Volleyballschläger
  • Ich meine why not, könnte ja amazing werden

Vielleicht ist auch eure Lieblingsgruppe dabei und ihr erinnert euch ein bisschen an die Zeit des rosafarbenen Netzwerks zurück, in der das Internet noch frei war von Memes, Prank-Videos und „OMG 10 krassen Fakten über Nägelkauen, die du unbedingt kennen musst!“