Musik | Hörtest

Robyn-Honey
Robyn-Honey

Robyn – Honey

13. November 2018
von Pierre Rosinsky

Natürlich könnte sich diese Einleitung mit dem Herbst beschäftigen, sowie der Musik, die in dieser
Jahreszeit veröffentlicht wird. Stimmungstechnisch kalt sollte sie sein, oder prädestiniert für regnerische
Tage. Klappt bei Robyns neuem Album Honey weniger gut, bietet es doch nur wenige Eigenschaften, die man dem charakteristischen Sound eines „Herbstalbums“ zuschreiben würde. Hier wird sich nicht mit Decke und warmer Milch auf die Couch gelegt, sondern eher die Chillout-Area oder Tanzfläche eines
Clubs aufgesucht.

Acht Jahre sind vergangen, seitdem Robin Miriam Carlsson ihre Alben-Trilogie Body Talk Pt. 1-3
veröffentlicht hat. Auch Honey hat mit diesen Werken gemein, dass es die Kompaktheit sucht: neun
Songs finden sich auf diesem Album, eine Stärke, die Robyn auszuspielen weiß. Missing U legt eine
bombastische Einleitung vor, führt aber auch auf eine falsche Fährte. Die Schwedin wechselt auf Honey
nämlich gerne zwischen lautem Disco-Pathos und verführerischen Elektro-Balladen (Human Being, Baby Forgive Me).

Es sind vor allem diese Balladen, die einen Schwerpunkt auf die Instrumentalisierung legen und textlich
eher repetitiv daherkommen. Das funktioniert sehr gut, Robyns ergreifender Gesang sticht hier noch
einmal etwas deutlicher hervor und die entspannten Beats tun ihr Übriges dazu. Beach2k20 läutet
dagegen nochmal den Sommer ein, zwischen Perkussion und E-Piano singt Robyn „Let’s go Party“ und
beschwört Bilder von Stränden und Cocktails herauf. Das Thema Liebeskummer nimmt in Robyns
bisheriger Diskographie einen großen Platz ein, auch auf Honey ist es nicht anders. Die Schwedin war
schon immer dann am stärksten, wenn sie zwischen purem Selbstbewusstsein und ehrlicher
Verletzbarkeit wechseln konnte.

Ein Cobrastyle oder Konichiwa Bitches findet sich auf Honey allerdings nicht. Eine größere Vielfalt und
mehr Tiefe in den Texten wären wünschenswert gewesen. Ihr Selbstbewusstsein hat Robyn aber
trotzdem nicht verloren. Es ist eine andere Art von Selbstbewusstsein, das sie hier zur Schau stellt:
weniger Kampfansage und mehr auf Versöhnung aus. Den schwierigen Spagat zwischen alternativer
(Pop-) Musik und massentauglichen Disco-Hits meistert die Schwedin dagegen weitestgehend mit
Bravour. Honey ist ein Album, das gerne zwischen Bombast und Verzückung wechselt und auch
exzentrisch genug ist, um sich nicht vollkommen an einen generischen Sound anzubiedern.