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Pretty City – Cancel the Future

9. April 2018
von Pierre Rosinsky

Einige Bands und Künstler*innen haben im letzten Jahr ihre Veröffentlichungsstrategien komplett geändert. Es müssen ja nicht direkt fünf Alben wie bei King Gizzard & The Lizard Wizard sein, aber auch Pretty City aus Melbourne täuschen keine Müdigkeit vor und veröffentlichen nun mit Cancel the Future zumindest schon ihr zweites Album innerhalb eines Jahres. Der Vorgänger Colorize wurde hierzulande erst im letzten Oktober veröffentlicht und bestach neben (oder auch trotz) Shoegaze-Anleihen vor allem durch eine gewisse Eingängigkeit und Hitdichte.

Dass eine Band ihren Sound innerhalb dieser kurzen Zeit nicht komplett ändern wird, ist selbstredend. Auch auf Cancel the Future finden sich viele Elemente wieder, die Pretty City schon vorher zu einem interessanten Act gemacht haben. Und doch ist dieses Album ein Stück weit direkter und eingängiger als sein Vorgänger. Die Shoegaze-Elemente in Form bretternder Gitarrenwände sind auch hier wieder zu finden, aber die fast schon epische Trageweite eines Melt ist auf Cancel The Future nur andeutungsweise zu hören.

Die Stärken dieser „direkteren“ Herangehensweise zeigen sich gleich zu Beginn. Drei hitverdächtige Songs bereiten nicht nur einen sehr unkomlizierten Einstieg, sondern lassen auch zum ersten Mal den Repeat-Button heiß laufen. Nothing Happens for Free, Piece of the Puzzle und Flying sind von Sound und Struktur her gar nicht mal so unähnlich zueinander und verstehen es doch, nicht gleich zu klingen, geschweige denn Langeweile aufkommen zu lassen. Die Verschmelzung von Blues- und Psychedelic Rock funktioniert hier sehr gut und erinnert stellenweise an Bands wie Kasabian und Black Rebel Motorcycle Club.

Was Pretty City von diesen Bands unterscheidet, ist allerdings der Umstand, dass die Australier gerne mit viel Reverb hantieren. Das wird besonders in Songs wie Same as Before deutlich, wenn sich die Gitarrenkaskaden in bester My-Bloody-Valentine-Manier durch den Chorus drücken und Hugh Matthews‘ Gesang aus weiter Ferne nachhallt. Pretty City verzichten im Gegensatz zu ihren Vorbildern allerdings auf verschnörkelte Strukturen und bauen ihre Songs nach recht ähnlichen, poppigeren Mustern auf. Das macht Cancel the Future insgesamt leichter verdaulich, ein gelegentlicher Ausbruch aus diesen Strukturen hätte das Album aber noch einmal zusätzlich aufgewertet.

Das soll allerdings nicht den Gesamteindruck des Albums schmählern. Mit zehn Songs und einer halben Stunde Laufzeit schafft es auch die Trackliste, eine gewisse Dynamik in Cancel the Future zu bringen und einmal mehr eine dichte, kompakte Palette an starken Songs zu präsentieren. Pretty City erfinden sich auf ihrem zweiten Album nicht unbedingt neu, aber wenn damit ein Album wie Cancel The Future zustande kommt, gibt es auch erstmal keinen Grund, daran etwas zu ändern.