Musik | Hörtest

Parquet Courts
Parquet Courts

Parquet Courts – Wide Awake

28. Mai 2018
von René Kettermann

Was haben U2, die Red Hot Chili Peppers und A$AP Rocky gemeinsam? Mit Sicherheit nicht unbedingt den guten Musikgeschmack, dafür aber ihren Produzenten Danger Mouse. Der Amerikaner hat 2017 Portugal. The Man wohl für immer in den Chart-Olymp gehievt und arbeitete mit Michael Kiwanuka an einem der besten Alben der letzten Jahre. 2018 widmete er sich der New Yorker Band Parquet Courts. Das Ergebnis ist eine konservierte Zeitkapsel namens Wide Awake.

Mit Total Football landet man in Großbritanniens Vororten, zwischen gemeinsam gröhlenden Fußballfans, Bier und der Idee von Zusammenhalt und Konsens: „Those who find discomfort in your goals of liberation will be issued no apology / F*** Tom Brady“. Konfrontation statt Kompromiss – Trainspotting lässt grüßen. Parquet Courts vereinen das Beste aus Blues, Rock und Funk; zwischen Velvet Underground, Simon & Garfunkel und Beastie Boys bleibt keine Zeit zum Durchatmen. Zusammengehalten wird das Ganze vom grandiosen Bassspiel, welches in Freebird II von einer stilechten Sechzigerjahre-Orgel unterstützt wird.

Eine weitere Überraschung bietet der Titelsong Wide Awake. Kuhglocken, eine murmelnde Menschenmenge und das Gefühl man sei in der Blütezeit des Disco-Funks gelandet – die Hip-Hop-Pioniere The Sugar Hill Gang treffen auf die Talking Heads. Mit Kinderchor und ruhiger Stimme sehnt sich Death Will Bringe Change sehnsüchtig nach Befreiung: „Before this wreck, I found peace in my health / Now my insides rebel / Death will bring change“. Auch zum Schluss zeigt sich mit Tenderness wieder, wie weit gefächert Parquet Courts auf Wide Awake klingen, denn abgerundet wird das Album mit einem herrlichen Südstaaten-Honky-Tonk-Piano wie es eigentlich nur New Orleans selbst bieten sollte.