Musik | Hörtest

Pagan – Black Wash

23. Juli 2018
von Max Afemann

Der Unterschied von Verpackung und Inhalt ist ein alter Hut. Wer von den Fotos der Burger in Fastfoodfilialen auf das tatsächliche Essen schließt, wird ziemlich enttäuscht sein. Auch Pagan präsentieren sich anders, als sie auf ihrem Debütalbum Black Wash klingen. Der Name verweist eher auf Wikingermetal, das Bandlogo ist ein zur Kerze stilisiertes umgedrehtes Kreuz, die Songs werden „Spells“ genannt und die Liveshows als „Rituals“ abgehalten. Nur oberflächlich betrachtet, könnte man von der Band aus Melbourne eher lupenreinen, klischeehaften Black-Metal erwarten.

Mit dem haben die Tracks auf Black Wash allerdings ähnlich viel zu tun, wie die Burger mit ihren Fotos. Hin und wieder gibt es Blastbeat-Orgien und das Gekeife von Sängerin Nikki Brumen, das war es dann aber auch schon. Der Sound der Australier eckt vielmehr bei anderen Rockgenres an. Der Vers der Single Silver klingt nach Post-Hardcore,Year Of The Dog groovt sich in Sludge-Metal-Manier durch und The Greatest Love Songs bewegt sich irgendwo zwischen Alternative und Hardcore. Dabei klingt der Genremix erstaunlich rund. Sowohl innerhalb der Songs, als auch auf Albumlänge fügen sich die Einflüsse zu einem stimmig-drückendem Klangbild.

Der Clou von Black Wash ist, dass es zwar insgesamt ordentlich auf die 12 geht, die Songs sich allerdings immer wieder kleine Pausen vom Lärm gönnen, nur um dann wieder kompromisslos nach vorne zu gehen. Dabei verzichten Pagan meist auf simple, Schrammelgitarren im Refrain, sondern behalten sich noch immer etwas groovige Rhythmik bei, was verhindert, dass die Songs in Metalklischees aufgehen. Dazu gibt es dann tatsächlich so etwas Ähnliches wie Melodie von Nikki Brumen, die sich ansonsten mit ihren Shouts ordentlich Luft verschafft. In Kombination schafft die Band so den Spagat zwischen Tanzen und Headbangen, wie es ähnlicherweise sonst nur Kvelertak schaffen.

So ganz ohne okkulte Themen kommen Pagan allerdings nicht aus. Den Rahmen des Albums bilden die Tracks Il Malocchio Si Apre und Il Malocchio Si Chiude, zu Deutsch: Das Böse Auge, wohl besser bekannt als böser Blick, der sich schließt, beziehungsweise öffnet. Dazu vertont die Band auf Holy Water die Geschichte einer scheinbaren Besessenheit und des darauffolgenden Exorzismus. Die Band gibt zudem im Gespräch mit der Australischen Website Pilerats an, dass sie bei den Aufnahmen zu Black Wash selbst die inneren Dämonen exorziert hätte. Mit etwas viel Pathos ausgedrückt, aber zum selbst gezeichneten Bild passt es.

Dass dieses Bild mit dem Klang von Black Wash nicht viel zu tun hat ist nicht schlimm, sondern eher positiv. Die Soundästhetik von Pagan abzubilden dürfte schließlich die meisten Grafikdesigner überfordern. Unterm Strich liefern die Australier mitten aus dem Nichts ein frisches, kraftvolles Album ab, bei dem es letztlich unerheblich ist, dass die Verpackung täuscht.