Musik | Hörtest

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Not Scientists – Golden Staples

16. April 2018
von Max Afemann

Machen wir uns nichts vor, die große Zeit der Gitarrenmusik ist schon länger vorbei. Das ist nicht nur eine reine Gefühlssache, sondern auch mittlerweile empirisch belegt. Also kein Wunder, dass in der Indie Disco um die Ecke seit gefühlt 10 Jahren immer die gleichen Songs laufen. Bevorzugt aus der letzten Blütezeit des Indie-Rock: der Mitte der 2000er. Aber warum auch nicht? Die Musik funktioniert noch immer. Von daher machen es Not Scientists auf ihrem neuen Album ziemlich clever: Sie beleben genau diesen Sound wieder.

Genauer gesagt orientieren sich die Franzosen auf Golden Staples vorwiegend an dem damaligen Post-Punk-Einschlag der Musik. Die Gitarren sind meist verhallt, ebenso wie die Stimme, die dazu auch noch recht lo-fi aufgenommen wurde. Dazu klingt immer wieder vor allem das Debüt von Bloc Party an. Sei es durch den treibenden Bass von Orientation, oder der ineinander verschachtelten Gitarrenarbeit des Openers Just About Ready To Beg, die gleichzeitig wieder vor Ohren führt, wie großartig ein guter Stereo Mix sein kann. Kombiniert wird das mit „Who-hos“ und „U-hus“, wie sie The Thermals nicht besser hätten setzen sollen.

Dazu wird es, wenn Not Scientists das Tempo anziehen, wahnsinnig tanzbar. Vor allem der kürzeste und punkigste Track Paper Crown lädt dazu ein, die Tanzschuhe anzuziehen und ordentlich abzuspacken. Wenn die Songs sich zurücknehmen, offenbart sich dann im Gegenzug die einzige Schwäche von Golden Staples: So wirklich gehaltvolle Texte liefert das französische Quartett nicht. Submarine schwimmt von daher vorbei ohne einen größeren Eindruck zu hinterlassen, bleibt aber der einzige Ausfall auf einem ansonsten sehr frischen, durchgängig starken Album.

Insgesamt ergibt sich auf Golden Staples so ein eingängiger, aber auch spannender Sound, der selbst nach mehrmaligem Hören nicht langweilig wird. Die Songs, speziell der Opener und der Titeltrack, wachsen sogar mit mehreren Durchläufen. Zwar werden Not Scientists mit ihrem zweiten Album die Gitarrenmusik nicht revolutionieren, oder gar retten, aber auf Golden Staples zeigt die Band aus Lyon noch einmal, was den Indie-Rock der 2000er so stark gemacht hat. Und dass es für die Playlist von Indie Discos mittlerweile durchaus Alternativen zu den altbewährten Künstler*innen gibt.