Musik | Hörtest

Miya Folick – Premonitions

29. Oktober 2018
von Louisa Heerde

Miya Folick hatte bisher noch kein Studioalbum vorzuweisen – und tourt dennoch bereits mit Pale Waves durch Europa. Kein Wunder also, dass einige Musikblogs sie bereits letztes Jahr als „One To Watch“ in den Listen der besten Newcomer führten. Ihr Debütalbum Premonitions stellt sich demnach hohen Erwartungen.

Erschienen ist Premonitions unter dem Label Terrible Records, bei dem bereits Artists wie Chairlift, Blood Orange oder Porches unter Vertrag stehen. Erwarten kann man also individuellen und dennoch massentauglichen Pop.  Dass Folick diesen Spagat schafft, hatte sie bereits auf ihren beiden EPs Strange Darling (2015) und Give It To Me (2017) bewiesen. 

Gesanglich überzeugt Miya Folick auch auf ihrem Debütalbum. In Songs wie Cost Your Love oder Thingamajig stellt sie die Abwechslungsfähigkeit ihrer weichen und dennoch starken Stimme unter Beweis. Spielend wechselt sie zwischen Höhen und Tiefen, zaghaft-zitternd und kräftig-kantig. Im Song Stock Image nähert sie sich dem ohrwurmtauglichen Elektropop à la Robyn, während Deadbody mit lauten Ausbrüchen arbeitet, um der Wut über sexuelle Übergriffe Raum zu geben (‚Don’t want your money for my silence / I don’t care who knows my name / Don’t tell your friends that I’m a lyin‘ to convince them I’m insane‘).

Doch trotz dieser Stärken ist von den angenehm nahbaren Balladen und den 90er Jahre Rock-Anleihen ihrer beiden EPs, die der Sängerin bereits Vergleiche zu Sinéad O’Connor und The Cranberrys einbrachten, auf Premonitions viel zu wenig übriggeblieben. Aus der gemischten Crossover-Tüte aus Alternative, Folk und Pop ist stellenweise eine überkandierte Zuckerbombe geworden. Die fröhlich-freche Singleauskopplung Stop Talking ist mit belanglosem Text (’stop talking about that boy‘) und austauschbarer Popmelodie ein perfektes Beispiel für diese unauthentischen Züge des Albums, die sich selbst in den Melodien der bedeutungsvolleren Tracks ausdrücken. Womöglich hat da auch der Co-Produzent des Albums, Justin Raisen, seine Finger im Spiel, der bereits Stars wie Charli XCX zu bunten Pop-Hits verhalf. 

Zu hohe Erwartungen an Premonitions darf man also nicht mitbringen. Dennoch: Wenn Miya Folicks Ecken in der Maschinerie der Popindustrie nicht abgeschliffen, sondern ausgebaut werden, steht der Sängerin eine vielversprechende Karriere bevor.