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MGMT – Little Dark Age

11. Februar 2018
von Isabela Przywara

Auf dem neuen Album Little Dark Age des New Yorker-Duos MGMT feiern die 80er Jahre wohl ihr großartigstes Revival unserer Zeit. Zwar sind die 80er ohnehin schon seit einer gefühlten Ewigkeit ein Thema in Mode, Musik und Film und überziehen unsere Wahrnehmung mit einem Hauch Retro, doch auf Little Dark Age setzen MGMT dem ganzen 80s-Feeling die Krone auf.

Nachdem der anfängliche Enthusiasmus, den das Debüt Oracular Spectacular 2007 hervorrief, wieder abgezogen ist, wurde es still um MGMT. Zwar haben sie seitdem die beiden Alben Congratulations und das selbstbetitelte MGMT herausgebracht, allerdings blieb der kommerzielle Erfolg danach für die Band aus. Der Sound der Nachfolgealben war sehr experimentell und glich eher dem, was das Duo zu College-Zeiten noch unter dem Namen Management fabriziert hatte.

Mit dem vierten Album besannen sich MGMT zurück und hatten bei der Produktion einen klaren roten Faden vor Augen. Little Dark Age ist in all seinen Facetten eine Hommage an die 80er Jahre – von kitschig anmutenden Balladen (Me and Michael, James) bis hin zu psychedelischem Pop (When You Die).

Der Eröffnungssong She Works Out Too Much erinnert soundtechnisch an die Zeiten, in denen Jane Fonda als Fitnessguru in Aerobic-Videos herumgeturnt ist. Durchweg begleitet von einem eher müde klingenden Synthesizer ertönt im Hintergrund eine Frauenstimme, die das Workout einleitet. Der Text handelt von Beziehungsproblemen. Man könnte den Song aber auch als eine Auseinandersetzung mit unserer Generation interpretieren, in der Selbstoptimierung und Ernährungs-Apps zum guten Ton dazugehören. Auch TSLAMP (die Abkürzung für Time Spent Looking At My Phone) und der gleichnamige Song Little Dark Age setzen sich mit dem Zeitgeist auseinander.

Doch so utopisch es jetzt klingen mag: MGMT verpacken die Themen in zynische Texte, wodurch die Songs eher einer humorvollen Parodie der modernen Welt gleichen. Mit Days That Got Away kreieren sie atomsphärischen Pop, der bis auf einige gehauchte Passagen nahezu auf Gesang verzichtet. One Thing Left To Try wiederum schlägt einen Bogen zu Electric Feel und Time To Pretend, den Hits ihres Debütalbums.

Little Dark Age ist ein vielschichtiges Album, auf dem das Duo mit  Ironie versucht, die Kontenance zu bewahren, während die Welt um sie herum geradewegs in Richtung Weltuntergang zusteuert. Verpackt wird das alles in 80er-Jahre Klängen mit zynischen und humorvollen Texten. Little Dark Age ist ein gelungenes Album mit einer klaren Linie, welches erst auf den zweiten Blick den Eindruck erweckt, genug Potential zu haben, um erfolgsmäßig an das Debüt der Band anzuknüpfen.