Musik | Hörtest

Leyya_Sauna
Leyya_Sauna

Leyya – Sauna

29. Januar 2018
von Louisa Heerde

Schon auf ihrem Debütalbum konnte man erkennen: Leyya haben Potential. Das österreichische Duo scheint auf Spanish Disco (2015) verstanden zu haben, dass Elektro-Pop nicht generisch sein muss. Sophie Lindingers unaufgeregte Vocals erinnern an eine traurige Feist, die Marco Kleebauer mit angenehm-experimentellen Elektro-Elementen begleitet. Nur punktuell werden die sphärischen Sounds von Songs mit Singleauskopplungs-Potential unterbrochen.

Auf ihrem zweiten Album tauen Leyya nun auf: Die eisig-stille Melancholie, die Spanish Disco bestimmt hat, ist auf Sauna nahezu verdampft. Die Vocals sind prägnanter; klare Beats drücken die Melodien in tanzbare Formen. Die Sounds sind satter – sicherlich auch aufgrund des gewachsenen Fundus an Instrumenten. Mal ertönt ein Saxophon (Zoo), mal rückt der Bass in den Vordergrund (Never Never). Still und sphärisch wirkt hier nichts mehr – dafür ist Sauna weitaus einprägsamer als der Vorgänger. Songs wie Drumsolo oder Heat brennen sich direkt ins Ohr.

Ins Schwitzen kommt man beim Hören von Sauna aber leider nicht nur durch Grillparty-Hits in Spe. Denn was catchy ist, reibt sich auch schnell mal am Generischen. Experimentierfreude scheint Massentauglichkeit gewichen zu sein. Zoo beispielsweise könnte mit seinem fröhlich-poppigen Refrain und der belanglosen Saxophon-Begleitung auch für die TV-Reklame einer möchtegern-hippen Flohmarkt-App herhalten.

Und dann ist da noch das Mittelfeld: Die meisten Songs auf Sauna gehören dazu. Ob The Fall, Solitude (I’ve Never Been Fun) oder Never Never läuft – das ist irgendwie nicht klar, und irgendwie auch egal. Der Funke möchte hier einfach nicht überspringen. Mit dem zweiten Album Leyyas verhält es sich also ganz so wie mit der titelgebenden Schwitzstube: Für ein, zwei Stunden hält man sich hier sicherlich gerne auf. Viel länger sollte man aber dann doch nicht bleiben – das schlägt auf den Kreislauf.