Musik | Hörtest

joan_as_police_woman_-_damned_devotion_-_artwork_3600x3600-992x992
joan_as_police_woman_-_damned_devotion_-_artwork_3600x3600-992x992

Joan as Police Woman – Damned Devotion

25. Februar 2018
von Elisabeth Schmidt

Eine Frau in einem schwarzen Ledermantel vor schwarzem Hintergrund schaut hart und direkt in die Kamera. In ihrer Hand hält sie ein paar rosa Blumen. Das Albumcover von Joan as Police WomanDamned Devotion erinnert mit seiner Eindringlichkeit und Düsternis ein wenig an ein Ölgemälde aus der Renaissance. Wo Joan Wassers vorheriges Album The Classic von 2014 noch poppig und schwungvoll war, ist Damned Devotion, wie auch der Titel es erahnen lässt, um einiges nachdenklicher und dunkler.

Sie selbst sagt auf ihrer Homepage, dass der Titel zwar dramatisch gewählt, jedoch nicht weniger zutreffend sein könnte. Ihr ganzes Leben schon habe sich die Künstlerin damit auseinandergesetzt, wie jemand ein Leben voller Hingabe und Leidenschaft führen kann, ohne besessen oder verrückt zu werden. Die Antwort darauf findet sich vielleicht auf ihrem sechsten Album, welches die Hörer*innen mit dem ersten Song Wonderful direkt in eine entrückte Traumwelt entführt. Die Beats schleichen nur so dahin und neben wenigen Soulelementen tritt vor allem Joan Wassers emotionstragende Stimme daraus hervor. Insgesamt handelt es sich bei Damned Devotion neben wenigen Ausnahmen um ein sehr langsames Album, welches dazu einlädt, es sich bei den eisigen Temperaturen mit einem warmen Tee gemütlich zu machen und in Gedanken zu schwelgen.

Bei Joan as Police Woman gibt es keine typischen schnulzige Lyrics, wie man sie vielleicht von anderen Indie-Künstlern kennt. Die Singer-Songwriterin war schon immer für ihre direkten Texte bekannt und so kommt sie auch in Tell me ohne Umschweife auf den Punkt: You know I won’t be everlasting/ So what do you say, We don’t have the right mandate/ You know it’s holy for the asking/ Why don’t we separate now/ What’s real; what’s not real. Die Frage nach der Grenze zwischen Realität und Traum scheinen musikalisch auf dem neuen Album ohnehin zu verschwimmen. Das beste Beispiel dafür ist die Arbeit mit dem Schlagzeuger Parker Kindred. Um die atmosphärischen Schwingungen ungestellt auf dem Album einzufangen, wurden seine Drum Patterns live eingespielt und danach von Joan Wasser bearbeitet. Durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Künstlern (Sufjan Stevens, RZA und Daniel Johnston) bleibt das Album in Bewegung, ohne jedoch den roten Faden zu verlieren.

Auch inhaltlich ist das Album nicht nur auf Herzschmerz-Songs zu reduzieren. In The Silence singt Wasser von gesellschaftlichen Missständen und mischt die synthetischen Klänge mit den Protestrufen der Frauen und Männer vom Women’s March in Washington 2017 („My body, my choice“, „Her body, her choice“). Zwar ist das gesamte Album passend zu den ernsten Themen eher ruhig gehalten, aber auch Funk-und R’n‘B-Elemente finden ihren Weg auf die Platte und in die verschiedenen Songs, ohne die melancholische Stimmung zu untergraben. Es scheint vielmehr eine erwünschte Abwechslung zu bringen. Somit ist Damned Devotion von Joan as Police Woman die perfekte Mischung aus Nachdenklichkeit und Hingabe. Ganz bestimmt nicht geeignet als Eintrag in der Partyplaylist, aber perfekt für einen ruhigen Nachmittag.