Sendungen | Extralarge

MC Bomber über Battlerap, die USA und eingelegten Schweinebauch

25. Dezember 2016
von Robert Frambach

Vor seinem Auftritt im Essener Hotel Shanghai im vergangen November hat MC Bomber mit uns über seine Musik, über die USA und über den besten Döner Berlins gesprochen.

Hallo Bomber! Für die, die dich nicht kennen: Wer bist, wo kommst du her, und was tust du?

Erstmal n’schönen Guten Tag an alle Hörer von CT das radio, mein Name ist MC Bomber, ich komme aus Berlin und mache Rapmusik.

Der breiteren Masse bist du 2013 durch Rap bekannt geworden, vorher warst du als Writer unterwegs, was auf deinem Album ja auch thematisiert wird. Kannst du uns nochmal erzählen, wie der Sprung vom Writer zum Rapper kam?

Ja auf jeden. Das war der einfache Grund, dass es zu kalt war im Winter 2013 um Sprühen zu gehen und aus Langeweile haben wir dann angefangen ein Tape aufzunehmen. Und aus Spaß wird schnell Ernst. So ist der Stein dann ins Rollen gekommen.

Was habt ihr selbst so an Rap gehört, der euch vielleicht dazu inspiriert hat selbst anzufangen?

Naja, wir haben keine Rapmusik zu der Zeit gehört. Wir waren auf Drum’n’Bass Partys und auf Technopartys unterwegs. Es war wirklich ein absoluter Hirnfurz, … eigentlich hätte man’s auch Schnapsidee nennen können, wenns keine Schnapsidee gewesen wär.

Die Antwort überrascht etwas, da ja gerade Parallelen zu beispielsweise King Orgasmus klar zu erkennen sind.

Ham’ wir früher natürlich auch gehört, der Einfluss ist ja nicht zu leugnen. Viel Westberlin Maskulin, viel Orgi, viel Bassboxxx gehört. Aber das war nicht 2013. Die Zeit wo wir sowas gehört haben war 2013 längst vorbei.

Wenn man dich zum ersten Mal trifft, oder deine Musikvideos sieht, ist man vielleicht etwas überrascht über deinen Style. Segelschuhe, Schöffeljacke – ist ja jetzt erstmal nicht das, was man dem Klischee nach von einem Battlerapper erwartet.

Das is einfach der Berlin-Writer-Straßenstyle. Dieses standardmässige – was weiß ich – zusammengedrückte Cap nach hinten, Boxerschnitt, böse gucken, dit is ja nun wirklich ausgelutscht. Dit wird man bei Berliner Sprühern auch nicht finden. Ist aber trotzdem Straße. Nur weil man nicht rumrennt wie ein Chabo, heißt es nicht, dass man irgendein Studentenlappen ist! (lacht)

Wie wichtig ist dir der Modestyle beim Rappen?

Schon wichtig. Also, wenn jemand geil rappen kann, dann kann er geil rappen. Aber mir persönlich sind Klamotten schon wichtig. Da werden andere jetzt drüber lachen, weil sie denken dass ich voll wie so ein Hallodri rumlaufe aber das sind schon so die Sachen, die ich cool finde. Klingt jetzt oberflächlich, aber das ist halt das Erste, womit man jemanden kategorisieren kann, an seinen Klamotten, an seinem Look. Ich erkenn auf jeden Fall einen Berliner Sprayer-Chabo auf 300m.

Was du so rappst: Wie viel ist davon Storytelling, wie viel ist real?

Naja, wenns diese Battle-Ebene hat, dann ist es natürlich viel Übertreibung. Also ich bin kein Ayatollah und ich hab auch noch nie mit vier Schwänzen vier Ollen gleichzeitig gebumst. Aber beim Storytelling ist doch mehr Wahres dran als man am Ende denkt. Das sind dann so Zusammensetzungen von Geschichten, ist viel Wahres dran.

Auf deinem Album „Predigt“ hälst du ganz gut die Waage zwischen Battletracks und Storytelling.

Ja, wär ja auch langweilig, nur Battle-Gedisse. Kann man auch machen, aber dann müssen die Punchlines so ausgeklügelt sein, oder man muss den Sound so oft ändern, dass es irgendwie spannend bleibt. Für mich ist die Lösung zum jetzigen Zeitpunkt, dass ich dann und wann nochmal ’ne lustige Geschichte einstreue. Ist genauso Teil meines Schaffens, genauso wie das Gebattle.

Abgesehen von den diversen Rappern, die du in deinen Songs disst, wie zum Beispiel VBT-Maskenrapper oder Zugezogen Maskulin – die dich ja auch im Füchse-Remix gedisst haben …

(lacht) Naja gut, der war ja och nich dolle. Damit ham’se sich ja quasi selbst gedisst.

… disst du auch die USA. Vielleicht auch wegen der neuesten politischen Ereignisse?

Is’n schönes Land, aber Land und Leute unterscheiden sich manchmal. Und ich weiß nicht. Könnte ’ne Chance zur Läuterung sein, dass dieser Wahnsinnige jetzt Präsident ist. Ich hab dazu keine Position. Ich bin weder für Clinton, noch für Trump gewesen. Ich sag bloß, dass es vielleicht ne Chance beinhaltet. Im Wort Krise – und jetzt ist wirklich Krise mit diesem Mann – steckt auch immer ne Chance. Zum Beispiel ein Bernie Sanders wär ne wirkliche Alternative gewesen. Den hat das Establishment rausgefickt und wurde jetzt bestraft. Das sind einfach Fehler die die Liberalen in Amerika gemacht haben und dafür wird ihnen jetzt auf die Pfoten gekloppt von diesem Wahnsinnigen. Und da kann ich mir mein hämisches Grinsen wirklich fast nicht zurückhalten, bei so viel Arroganz. Das ist meine Meinung.
… aber eigentlich ist es mir auch Latte, alter.

Was ist HipHop für dich?

Oah, was Hiphop is, dit würde jetzt zu weit führen, dit kann man Torch fragen, der weiss da vielleicht besser Bescheid. Für mich… Ach, lass uns doch einfach guten Rap nennen: Audio88 & Yassin find ich gut, Sylabil Spill find ich gut, Morlockk Dilemma find ich gut, Karate Andi find ich gut. Ich find aber auch so Straßenrapper wie Omik K. gut, Plusmacher find ich auch gut, meinen Kumpel MC Shacke find ich natürlich mega gut, … Es gibt schon auch Sachen die ich feier, die mich am Rande interessieren. Aber ich würd nie soweit gehen zu sagen, dass ich da mega Fan von bin und das im Auto pumpe oder so. Soweit geht mein Fantum dann nicht. Ich hör mir das einmal an, dann hab ich’s gepeilt und dann ist gut.

Im Sommer kam dein Album, jetzt vor kurzem mit dem Pberg Battletape #4 direkt noch ein Mixtape. Zwei Releases in einem halben Jahr ist ja schon recht starker Output.

Output ist wichtig. Ich will mit den Sachen nicht warten, bis sie verschimmeln, weil dann mag ich sie am Ende selbst nicht mehr. Das einzige was ich von diesem ganzen Traprap aus Amerika feiere, ist wirklich die Produktivität. Dass die Mixtapes for free rausballern, wirklich im Viertel-Jahres-Takt, find ich gut. Lieber Masse als Klasse.

Du bist jetzt mit deinen Jungs einen Monat auf Tour. Wie krass ist Tour bei euch auch immer Party?

Das kommt immer drauf an, wenn mein Kumpel Shacke dabei ist, dann ist richtig Party, weil dann können wir uns immer abwechseln. Wenn ich alleine bin, dann mach ich ein bisschen weniger Party, da muss ich mir ein bisschen die Kraft einteilen. Aber in der Regel gehts dann am vorletzten Tag immer schon los – also wir haben immer Blöcke und dann zwei Off-Days – und das wird dann auch schon immer ein bisschen dolle am dritten Tag von einem Block. Und am vierten ist dann völlige Randale.

In „Das große Fressen“ berappst du einen saftigen Schweinebauch, das ist ja eher ein untypisches Thema. Wie kam es dazu?

Andere Leute rappen über ihre Kohle, oder ihre bescheuerten Autos, mit denen sie rumfahren und für mich ist es eher ein Zeichen von Lebensstandard wenn man gut Essen geht. Und damit mein ich nicht dekadent Essen gehen, sondern einfach gut Essen gehen. Also zum Beispiel auf Tour ist absolutes McDonalds-Verbot. Wir sind alle voll die Gutesser, haben auch einen Vegetarier dabei, und wenn man schon die ganze Zeit nur Blödsinn labert, den ganzen Tag und nur Scheisse aus’m Gehirn rauskommt, dann muss man sich wenigstens ordentlich ernähren, denk ich mir. Es hält auch fit. Gute Ernährung ist die halbe Miete. Wenn man jeden Tag zwei Mal zu Burger King geht, glaub ich nicht dass man eine Tour lange durchhält. Ich würde nicht lange durchhalten, denn ich mach parallel kein Sport, darauf hab ich kein Bock. Muss ich es halt über die Ernährung machen.

Zum Schluss ein kleiner kulinarischer Ausgehtip für den nächsten Berlinbesuch: Wo gibt’s den besten Döner in Berlin?

Imren! Imren ist auf jeden Fall mega gut. Das is so richtig krasser, selbst gebauter Kebap-Spieß, mit Rinderfleisch und Hammelfett. Ist auf jeden Fall der beste Döner. Gibts mehrmals, gibts im Wedding 2x, den gibts in Neuköln und dann gibts den nochmal in Kreuzberg.

Danke Bomber!

 

 

© Bilder: www.blogrebellen.de, www.youtube.com/user/livefromearthberlin