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Gundelach – Baltus

2. April 2018
von Robert Frambach

Schnee und Minusgrade adé – der Frühling steht endlich vor der Tür. Wer der düsteren Jahreszeit dennoch nachtrauert, findet in Gundelachs Debütalbum Baltus zumindest musikalisch noch einige Überbleibsel des kalten norwegischen Winters. Nach der selbstbetitelten EP aus 2016 und vereinzelten Single-Veröffentlichungen im vergangenen Jahr, folgt mit Baltus ein Album, welches dem typischen Sound des Norwegers treu bleibt.

Ein Grund dafür mag wohl sein, dass Kai Gundelach einen Großteil der Songs bereits 2010 geschrieben und im Laufe der Jahre immer weiter ausgearbeitet hat. In einem Interview mit earmilk beschreibt er diesen Prozess: „I have changed I guess, but it’s interesting that I still connected instantly with those songs. I’ve either worked on them occasionally in my sessions or just listened to them over the years. I’ve got versions where I’m playing acoustic guitar and recording it on my phone, so it is easy for me to feel those same feelings“. Und eben diese Gefühle der damaligen Zeit sind es, die dem Album den düsteren und melancholischen Grundton verpassen.

Gundelach verarbeitet Themen wie Depressionen und das Alleinsein („You don’t know how it feels to be alone / I feel the pressure now and then / I think I lost control again“, Control) auf elektronischen Synthie-Beats, die zwischen sphärischen, verträumten Klängen (Past the Building, Hurt) und treibenden Arpeggiatoren (Games) pendeln. Doch auch wenn der Fuß nicht selten zu wippen vermag, so halten einen die erdrückenden Akkordfolgen, gepaart mit den im Falsett dargebotenen Texten, meist gefangen in einer gewissen, sonderbar angenehmen Beklommenheit.

Auch wenn sich das Album in seiner Gesamtheit ohne Probleme am Stück durchhören lässt, stechen der Song Iron, sowie die beiden Kollaborationen mit der norwegischen Sängerin ARY als Highlights der Platte heraus. Während man sich bei Ersterem anfangs fühlt wie gefangen im Soundtrack von Stranger Things, bringen vor allem die Featuresongs eine gewisse musikalische Tiefe in das Gesamtwerk. Ob im direkten Duett oder in den sich abwechselnden Gesangs-Parts – ARY und Gundelachs Stimmen harmonieren perfekt und spendieren dem Album den ein oder anderen Lichtblick aus der Dunkelheit.

Als Fazit lässt sich am Ende also ziehen: Schön, dass es Gundelach mittlerweile besser geht – wir hoffen jedoch, dass er noch genügend Gefühle aus vergangenen Zeiten konserviert hat, um uns mit weiteren derartigen Tonträgern zu beglücken. Denn auch wenn die Tage wieder länger werden, ein bisschen Melancholie schadet ja bekanntlich nie.