Musik | Hörtest

feine-sahne-cover
feine-sahne-cover

Feine Sahne Fischfilet – Sturm und Dreck

21. Januar 2018
von Max Afemann

Nachdem Feine Sahne Fischfilet in letzter Zeit eher durch eine politische Kampagne gegen Rechtsnationalismus in Mecklenburg-Vorpommern oder dem unbewussten Schaffen eines neuen Schlachtrufes der Café-Antifaschisten aufgefallen sind, gehen sie auf ihrem neuen Album Sturm und Dreck wieder der eigentlichen Funktion einer Band nach.

Die Vorabsingle Zurück in unserer Stadt, der Albumtitel und das dazugehörige Cover, ein Foto eines ausgeschlagenen Zahns in einer dreckigen Hand, deuteten darauf hin, dass die Band aus Mecklenburg-Vorpommern sich wieder in punkigere Gefilde bewegt. Das trifft auf Sturm und Dreck allerdings nicht komplett zu. Die meisten Tracks bewegen sich eher im mittleren Tempo, ohne musikalisch groß anzuecken. Die Bläser übernehmen oftmals die Melodieführung, es werden jede Menge Mitsingrefrains geliefert, deren einfacher Text schon nach dem ersten Hören gemerkt und danach mitgegrölt werden kann.

Eher Deutschrock mit Ska-Punk-Anleihen, als dreckiger Punk-Rock also. Handwerklich gut gemacht, eingängig, humorvoll, aber eben nichts Innovatives. Spannender ist die lyrische Ebene: Natürlich gibt es auch explizit politische Songs auf Sturm und Dreck. Dreck der Zeit rechnet mit dem Vorgehen der Polizei bei den Blockupy-Protesten in Frankfurt oder dem Tod von Ouri Jalloh in Dessau ab und Suruç („Auf dem Boden liegen Tote / In der Luft Tränengas“) ist die Aufarbeitung der Erfahrungen, die Sänger Jan „Monchi“ Gorkow als Flüchtlingshelfer bei einem Terroranschlag in der gleichnamigen Stadt gemacht hat. Soweit jetzt allerdings nicht ungewöhnlich für die offen antifaschistische Band.

Bemerkenswerter ist, dass Feine Sahne Fischfilet auch dem Thema Heimat auf ihrem Album Platz einräumen. Die Single Zuhause löst den Begriff, der bisher eher von rechten Bands besetzt wurde, aus dem geografischen Raum. Zuhause sei eher „wenn das Herz nicht mehr so schreit“ oder „die Angst der Freundschaft weicht“. Noch konkreter wird es in Wo niemals Ebbe ist, das die Verbundenheit der Band zu ihren Heimatorten verdeutlicht, obwohl es dort wohl nicht so nach Zukunft aussieht („Überall steht zu vermieten drauf / Gegenüber macht ne Spielo auf“). Nicht unbedingt Punk-Rock, aber die Intention den Heimatbegriff zurückzuerobern ist aller Ehren wert.

Ähnlich verhält es sich mit der anderen Hauptthematik des Albums: Wir gegen euch, beziehungsweise sie. Wobei die Hörer*innen immer wieder angesprochen und letztlich an die Hand genommen werden. Gerne auch mit extra viel Pathos wie in der Hymne Wir haben immer noch uns, deren Titel letztlich auch der Inhalt ist. Für Feine Sahne Fischfilet keine Neuheit und trotzdem auffällig, ist dieses Szenario ja auch bei Bands wie Böhse Onkelz oder Frei.Wild zu finden. Von daher sind diese breiten, leicht zugänglichen Themen und Texte in Kombination mit den eingängigen Songs nicht unbedingt ein Anzeichen für den Ausverkauf, sondern eher der musikalische Ausdruck von dem, was die Band aus dem Hinterland Vorpommerns sowieso schon macht:  Scheinbar an die rechtsnationale Szene verlorene Plätze (in der Musiklandschaft) nicht aufzugeben, sondern zurückzuholen.