Musik | Hörtest

NeueMeister_FedericoAlbanese_ByTheDeepSea-360x360
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Federico Albanese – By The Deep Sea

18. Februar 2018
von Benedict Weskott

Neoklassische Musik hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich von der Nische ins kollektive Musikbewusstsein vorgearbeitet. Martin Kohlstedt bespielte beim Reeperbahn Festival 2017 seine eigene Bühne mit einem aufwendig produzierten, audiovisuellen Konzept. Nils Frahm schreibt Soundtracks für preisgekrönte Filme und genießt mit Labelkollege Ólafur Arnalds längst Kultstatus. Federico Albanese spielt Konzerte in ganz Europa und wird für elektronische Musikfestivals gebucht.

Der allgegenwärtige Fokus der Neoklassik mit ihrer Kombination aus klassischem Piano und elektronischen Sounds ist die Nacht in all ihren Farben. Federico Albanese machte das im Titel seines Debüts The Houseboat and the Moon bereits deutlich. Schon die damaligen Stücke lebten von den Bildern, die sie im Kopf produzierten. Nach der blauen Stunde zwischen Tag und Nacht, die Federico Albanese auf The Blue Hour so explizit zum Thema machte, geht es mit By The Deep Sea jetzt ins blaue Element – von der Oberfläche bis zum Grund. Und zu Beginn in den 682 Schritten (682 Steps), die es vom Haus seiner Mutter auf einem Fußweg bis zu einem Fels am Ufer des Meeres brauchte.

Kleine und große Geschichten lassen sich bei Federico Albanese überall erahnen, in der rein instrumentalen Musik bleiben sie aber oft der Fantasie überlassen. Slow Within könnte von einem wogenden Algenwald erzählen, der wenige Meter unter der Wasseroberfläche im Mondlicht von den Wellen bewegt wird. Weg vom Meer und mitten in die Stadt geht es mit Boardwalk, in dem das geschäftiges Treiben auf den Straßen Berlins zu Musik wird. Und Veiled führt wieder zurück zu sich kräuselnden Wellen und spritzender Gischt. Insgesamt ist By The Deep Sea musikalisch vielseitiger und facettenreicher als die Vorgänger und damit eher ein Band mit verschiedenen Erzählungen als eine Geschichte mit zwölf Kapiteln, wie The Blue Hour es war.

Federico Albaneses dritte Platte ist deutlich reichhaltiger instrumentiert. Neu sind zum Beispiel ausladende Streicherarrangements, die den Raum in einigen Stücken (We Were There, Mauer Blues, Your Lunar Way) mit mehr Klang füllen und das Pathoslevel etwas zu weit nach oben schrauben. Sounds wie aus dem Vibraphon oder Theremin, zu denen sich dann behutsam erst ein und dann zwei Celli gesellen, bestimmen das Stück Untold. Die bewährte, minimalistische Kombination aus Piano und Synthesizer im Titelstück By The Deep Sea verbreitet wiederum die gewohnte Stimmung zwischen Melancholie und Sehnsucht, die Neoklassik nicht nur schön, sondern auch sehr intensiv macht. Federico Albaneses Kopfkino für die Ohren funktioniert also auch am und im Meer und gibt mit der Zeit immer mehr von seinen Nuancen preis.