Musik | Hörtest

Eldoradio – Cult

25. Juni 2018
von Isabela Przywara

Mit der Britpop-Bewegung verbindet man meistens aus Großbritannien stammende Bands, die sich der britischen Rock- und Poptradition verschrieben haben. Vertreter der Anfang der 90er-Jahre entstandenen Musikbewegung sind Bands wie The Smiths, Oasis und Ash, oder auch neuere Gruppierungen wie Maxïmo Park und Arctic Monkeys, die mit einem unperfekten, durch knarrende Gitarren dominierten Sound überzeugen. Eine Ausnahme bildet die schwedische Band Eldoradio, die mit ihrem zweiten Album einmal mehr unter Beweis stellt, dass auch Musik „made in Sweden“ dieser schrammigen Soundästhetik entsprechen kann.

Nach ihrem Debütalbum 21st Century Explosive Sound meldet sich die fünfköpfige Band aus der westschwedischen Industriestadt Trollhättan mit ihrem neuen Album Cult zurück. Mit gerade mal sechs Songs erfüllt dieses knapp die Erwartungen, die man an einen Longplayer knüpft. Doch trotz der begrenzten Anzahl an Tracks liefern die Schweden ein ausgeglichenes Soundbild, das sich zwischen Indie-Rock und Indie-Punk bewegt und durch eindringliche Textzeilen zur Nachdenklichkeit verleitet.

Den Anfang des Albums macht die Indie-Pop Ballade Pipe Dreams, deren Gitarren-Intro klar an Coldplays Yellow erinnert. Je weiter man sich jedoch vom Intro des Songs wegbewegt, desto mehr verliert Pipe Dreams den gewissen Coldplay-Charakter und entwickelt sich zu einer melancholischen Nummer, die genauso gut auf einer Vinyl-Platte der 90er-Jahre gefunden werden könnte. Pipe Dreams ist der einzige ruhige Song des eher dynamischen Albums. Songs wie Restless Minds und City Lights erinnern wiederum an eine Soundästhetik à la The Kooks oder The Libertines. Youth Cult ist im Vergleich zu den restlichen Tracks auf dem Album der punkigste Song. Mit einer rotzigen Attitüde singt der Leadsänger „You can’t blame the youth“. Das Ganze wird begleitet von klirrenden Gitarren, die dem Song den nötigen Britpop-Charakter verleihen.

Auf Cult thematisieren Eldoradio ein Sujet, das wohl jeden Menschen in den Zwanzigern beschäftigt: Zukunftsängste und die Suche nach Bedeutung in jeder Materie. In Songs wie 2:42 (“Paranoia has got a hold and is choking me/ This feeling can’t be true at 2:42“) und All We Got Is Time („All we got is time, time for window watching/ 9 to 5 dreamin’ hope that someone’s watching“) widmen sich die Jungs genau dieser Thematik. Trotz aller Tiefgründigkeit, die Cult zu bieten hat, bleibt das Album dennoch mitreißend und tanzbar. Damit erschaffen Eldoradio den Indie-Rock zwar nicht neu, dennoch beweisen sie, dass das in Verruf geratene Genre noch längst nicht tot ist und liefern damit das bislang beste Indie-Album des Jahres.