Musik | Hörtest

Cari Cari - Anana
Cari Cari - Anana

Cari Cari – Anaana

5. November 2018
von Isabela Przywara

Vorbei sind die Zeiten, in denen sich Western-Filme à la Winnetou und Co. einer großen Popularität im Free-TV erfreuten und das Herz eines jeden Clint Eastwood-Fans zur Primetime um einiges höher schlagen ließen. Heutzutage scheint der Wilde Westen lediglich auf WG-Motto-Parties und an Karneval von größerer Relevanz zu sein, wäre da nicht das österreichische Indie-Duo Cari Cari, welches die Western-Thematik einer Verjüngungskur unterzieht.

Denn auf ihrem nun erschienenen Longplayer Anaana entführen uns Stephanie Widmer (Gesang & Schlagzeug) und Alexander Köck (Gesang & Gitarre) auf einen Ritt durch verlassene Wüstenlandschaften in Richtung Sonnenuntergang und machen den Wilden Westen zumindest soundmäßig zur vorherrschenden Thematik ihres Debüts. So dominieren auf Anaana neben dem Klang von Schlagzeug, Synthesizer und Bass traditionelle Instrumente wie das Didgeridoo und die Maultrommel.

Kennengelernt hat sich das Duo im Backstage-Bereich eines Gigs, als Stephanie als Support-Act für Alexanders damalige Band „The Golden Rabbit“ auftrat. Nachdem Stephanie vorerst ein Jahr lang durch Australien gereist ist, haben sich die beiden kurz nach ihrer Rückkehr zum Jammen wiedergetroffen. Schon damals beeinflusst von Stephanies Reiseeindrücken, ist daraus die erste EP Amerippindunkler entstanden, die 2014 erschien und der Band vor allem auf internationaler Ebene viel Lob einheimste. Cari Caris eigentliches Ziel war es, mit ihrer Musik den Soundtrack zu einem Quentin Tarantino Film beizusteuern. Ein Stück weit ist es den beiden auch schon gelungen, denn ihre Single White Line Fever wurde in der US-amerikanischen Serie „Shameless“ gefeatured.

So scheint auch Anaana als Filmmusik angedacht worden zu sein: Schon der Opener Summer Sun klingt nach Soundtrack und beginnt mit treibenden Synthesizerabfolgen, die in Verbindung mit der Bassgitarre einen schwerelosen Sound kreieren. Im Zusammenspiel mit Stephanies trägem Gesang ergibt sich ein recht deprimiertes Klangbild, welches dennoch ein Sinnbild des vergangenen Sommers abgibt. Mechikko ist die perfekte musikalische Unterlegung für eine Kampfszene im Saloon. Anaana hört sich wiederum wie ein Abend am Lagerfeuer an und Dark Was the Night Cold Was the Ground ist der Song für die obligatorische Liebesszene am Filmende.

Wie schon die Titelgebung des Debüts erscheint auch der Sound der LP an der einen oder anderen Stelle etwas ungewöhlich. Zwischen groovige Gitarren und hypnotische Synthesizerabfolgen mischen sich Didgeridoo, Maultrommel und Indianerausrufe und kreieren damit den unvergleichlichen Sound eines 50er Jahre Western. Am Ende bietet sich eine ausgewogene Mischung zwischen experimentellen Arrangements (ANAANA, Mapache) und durchaus massentauglichen Songs (Summer Sun, Mazuka), die ein vielschichtiges und abwechslungsreiches Album ergeben.