Musik | Hörtest

Andrew Applepie - California Kamala Falcon
Andrew Applepie - California Kamala Falcon

Andrew Applepie – California Kamala Falcon

22. Oktober 2018
von Robert Frambach

Zugegeben, ein wenig schmunzeln muss man schon, wenn man den Künstlernamen des in Berlin lebenden Produzenten und Multiinstrumentalisten Andreas Plab zum ersten Mal hört: Andrew Applepie. Assoziationen zu Daniel Düsentrieb, Benjamin Blümchen oder anderen alliterierten Kindheitshelden sind so naheliegend, dass sie sich kaum vermeiden lassen. „I call myself Andrew Applepie because that’s what my dad used to call me when I was little. And also because I like apple pie.“ Und allein das macht es einem doch schon schwer, den Wahlhauptstädter nicht auf Anhieb sympathisch zu finden.

Andrew Applepie komponiert, singt und bespielt alle Instrumente, die er in die Finger bekommt. Aus alledem produziert er in Eigenregie Beats, die von entspanntem Plätschern bis zum gekonnten Drop alles bieten, was das musikalische Herz begehrt. Mit seiner Musik schafft er einen angenehmen Mix aus Entspannung und Kopfnicken, aus Hintergrundmusik und Ohrwürmern, aus nachdenklichen Texten und fröhlichen Melodien.

Einer breiteren Masse wurde Andrew Applepie im Jahr 2015 bekannt, als YouTuber wie Casey Neistat eben genau daran Gefallen fanden und begannen ihre Vlogs und Videos mit seiner Musik zu hinterlegen – etwas was ihm selbst nicht ganz unbekannt ist. Neben seinem musikalischen Output reviewt Andrew für seine 50.000 YouTube-Abonnenten Synthesizer, vloggt Radreisen von Berlin nach München und dokumentiert seinen Schaffensprozess des Beat-Bauens. Dabei wirkt er vor allem authentisch, was dafür sorgt, dass man schnell mal auf dem Kanal versackt.

California Kamala Falcon ist Andrews mittlerweile siebtes Album, welches sich musikalisch sinnig in sein bisheriges Schaffen einreiht. Auf 8 Songs gibt es 27 Minuten lang abwechselnd gesamplete Wortfetzen über wahlweise sonnigen oder traurig, trüben Beats (Down & Stay), vordergründige Gesangsparts auf Akustikgitarren (Not Gonna Lie) und Pianos (Sun Go Down) oder besäuselte, primär Beat-getriebene Melodien. Dabei ist es niemals ein einzelner Songbaustein, der besonders heraussticht, es ist vielmehr das Gesamtkonzept der Songs, welches zu gefallen weiß. Abgerundet mit einem leichten, angenehmen Hauch von DIY fällt es einfach schwer, nach dieser knappen halben Stunde irgendeine Kritik zu äußern.

Andrew Applepie produziert auf California Kamala Falcon einmal mehr eine smoothe Sorte des Elektropops, der sowohl auf einer illüsternen Grillparty also auch auf einem langen Roadtrip im Autoradio Anklang finden würde. Wobei Andrew dann ja doch eher die Kamera einpacken und das Rad nehmen würde.