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Acht Eimer Hühnerherzen – Acht Eimer Hühnerherzen

26. März 2018
von Max Afemann

Normalerweise vergleicht man Newcomer ja mit bereits bekannten, etablierten Bands. Acht Eimer Hühnerherzen klingen allerdings wie die Band, die deine Freunde in der Schulzeit gegründet haben. Nur, dass die Proben sich nicht nach kurzer Zeit in Saufgelage verwandelt haben. Vielmehr schafft es das Trio auf seinem Debüt, das naiv-schwachsinnige Songwriting von Schülerbands auf die Spitze zu treiben und auf Albumlänge zu bringen.

Die Texte auf dem Debüt von Acht Eimer Hühnerherzen bewegen sich irgendwo zwischen Die Ärzte, Dada und Schwachsinn. Es gibt Eis auf Ex, den ironischen Abgesang auf das durch die Foo Fighters personifizierte Mittelmaß und sogar eine großartige Spoken-Word-Vertonung des Gedichts „Jeden Abend werfe ich“ des anarchistischen Schriftstellers Erich Mühsam.

Die meisten Songs sind dabei offen gehalten und folgen keiner offensichtlichen Erzählstruktur. Natürlich könnte man Eisenhüttenstadt als Analyse des exzessiven Reisens von Mittzwanzigern, die sich darüber profilieren, interpretieren. Dabei überhört man aber, was das selbstbetitelte Debüt der Band so großartig macht: die unkonventionellen, unverkopften Ohrwürmer.

Gerade die erste Hälfte des Albums wartet mit eingängig-hibbeligen Songs auf. Die Gesangsmelodien sind recht einfach und poppig gehalten, was aber durch die rotzige Stimme von Sängerin Apocalypse Vega nicht direkt auffällt. Dazu ist das Songwriting sehr direkt gehalten. Eine Handvoll Akkorde und die eher ungewöhnliche Instrumentierung aus Akustikbass, Konzertgitarre und Schlagzeug reichen der Band, um ihren rumpelig-angefolkten Punkrock rüberzubringen. Die Produktion ist passend dazu recht dreckig und lo-fi gehalten.

Wirkliche Ausfälle gibt es auf dem Debüt von Acht Eimer Hühnerherzen nicht. Ganz im Gegenteil: Die unkonventionellen Songs werden auch nach mehrmaligem Hören nicht langweilig. Allerdings sind die großen Hits wie die Singles Mittelmass, Eisenhüttenstadt oder Tränengas allesamt auf der ersten Hälfte des Albums zu finden, wodurch die Spannung gegen Ende etwas abflacht. Unterm Strich bleibt aber ein durchweg rotzig-eingängiges Album, das den Schwachsinn in die Popmusik zurückholt und einfach Spaß macht.